Montag, 4. Februar 2013

Endspurt



300 Tage ist es nun her, dass wir von Deutschland aus nach Indien aufgebrochen sind. Seit 300 Tagen tingeln wir um die Welt, erleben tolle Geschichten und besuchen Orte, von denen andere vielleicht nur träumen können. Wir befinden uns auf DER Reise unseres Lebens. Allerdings hat man selbst bei der längsten Reise irgendwann den letzten Flug gebucht, den letzten Bus betreten und das letzte Ziel erreicht.
Seit Anfang Januar erreichen uns verstärkt Emails mit Texten wie „ist ja nicht mehr lang“ oder „bald seid ihr ja wieder da“. Und das obwohl wir noch eineinhalb Monate vor uns haben. Wir haben schon überlegt in Zukunft allen unseren Freunden und Verwandten eineinhalb Monate vor ihrer Rückkehr aus dem Urlaub eine Email mit einem ähnlichen Text zu schicken. In geschätzten 99,98% der Fälle dürfte die Email somit noch vor Antritt der Reise den Empfänger erreichen. Aber natürlich freuen wir uns, dass wir in Deutschland freudig erwartet werden.

Reisemüdigkeit

Gelegentlich sind wir gefragt worden, ob wir eigentlich „Reisemüde“ sind. Da stellte sich mir die Frage, was denn eigentlich Reisemüdigkeit ist. Man hat immer irgendwie eine Vorstellung davon im Kopf, dass einem die Lust am Reisen vergeht, aber auch da stellt sich die Frage, warum eigentlich?
Ich kann für mich behaupten, dass sich eine gewisse Reisemüdigkeit eingestellt hat. Diese äußert sich vor allem in einer deutlich geringeren Motivation neue Dinge zu sehen. Diese Motivationslosigkeit entsteht dadurch, dass mich Neues kaum noch überrascht oder erstaunt. Besonders aufgefallen ist mir das in Brasilien. Ich habe dieses Land als nicht sehr anders oder neu empfunden. Als wir uns dann aber mit einer Brasilianerin unterhielten, die eine Weile in Europa gelebt hat und unter anderem auch Deutschland kennt, erklärte sie uns Deutschland sei „totaaaaal anders“ als Brasilien. Wie kommt es zu so einem krassen Unterschied der Auffassungen? Ganz einfach: Wenn man von Deutschland nach Rio de Janeiro fliegt (oder umgekehrt), wird einem schlagartig eine völlig andere Kultur vorgesetzt. Reist man aber wie wir monatelang und erwartet jedes mal etwas völlig Neues und ist zuvor in Nachbarländern gewesen, kommt einem Brasilien gar nicht so anders vor.

Dazu kommt, dass man sehr viel vergleicht. Berge? Sind in Peru schöner und höher! Meer? War in Mexiko noch blauer und toller! Strand? War in Thailand mindestens genauso schön! Und so weiter. Es muss schon eine Weltsensation wie Machu Picchu kommen, dass man plötzlich doch wieder extrem fasziniert ist. Aber Orte von der Qualität von Machu Picchu gibt es nur sehr wenige auf der Welt.

Würden wir aber an all die Orte, die wir jetzt als eher „durchschnittlich“ ansehen direkt aus Deutschland fliegen, wären wir vermutlich jedes mal total beeindruckt und begeistert. Begeisterung ist eben doch etwas sehr individuelles.

Vorbereitung auf die Rückreise

Auch wenn wir noch einiges an Zeit und Zielen vor uns haben, bereiten wir uns schon gedanklich auf Deutschland und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft vor. Derzeit sind das aber eher organisatorische Dinge, die wir da diskutieren. Fakt ist, dass wir am 11. März in Buenos Aires in den Flieger nach Frankfurt steigen und am 12. März dort ankommen werden. Danach geht es zunächst mit dem Zug weiter nach Berlin, danach nach NRW - Familie und Freunde besuchen.

Ein letztes Highlight

Aber auch wenn wir gelegentlich an zu Hause denken, sind wir emotional doch noch ein Stück weit weg davon, denn für den Abschluss unserer Reise haben wir uns noch ein ganz besonderes Highlight aufgehoben, auf das wir uns sehr freuen. Wir werden die südlichsten Orte auf diesem Planeten besuchen: Ushuaia und vielleicht auch Puerto Williams auf Feuerland.

Wegen der riesigen Entfernung (von Buenos Aires ca. 3000km) werden wir die Reise nur in einer Richtung auf dem Landweg bestreiten – und zwar den Hinweg. Immerhin wollen wir ja auch sehen, was zwischen Buenos Aires und Feuerland liegt, auch wenn wir uns da wohl nur einen kleinen Eindruck verschaffen können werden. Zurück werden wir fliegen. Das geht innerhalb von Argentinien zum Glück recht einfach und ist sogar preiswerter als der Landweg.
Sollten wir Ende Februar/Anfang März in Buenos Aires noch Zeit, Lust und Geld haben, werden wir vielleicht noch einen kurzen Abstecher nach Uruguay machen, aber sicher ist das derzeit nicht.

Kleine Statistik

Zum Schluss wie immer noch die "kleine Statistik" in aktualisierter Form für die Statistik-Fans:

Zurückgelegte Kilometer in der Luft: 50334 km
Zurückgelegte Kilometer an Land: ca. 28212 km (ohne Argentinien)
Zurückgelegte Kilometer auf dem Wasser: ca. 350 km

Besuchte Länder: 10
Anzahl der Zeitzonen: 14

Folgende Transportmittel wurden bisher benutzt: Flugzeug, Taxi, Fahrstuhl, Bus, Fähre, Motor-Roller, Taxi-Boot, Metro, Fahrrad, Zug, Straßenbahn, Angel's Flight, Motor-Rikshah, Auto, Fahrrad-Rikshah, Seilbahn, beide Füße und Rolltreppen