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Samstag, 19. Mai 2012

Indien – Ein Fazit

Der "indische" Berliner Bär
Es ist nicht einfach ein Land zu beschreiben, was so dermaßen anders ist als alles, was wir kennen. In Indien herrschen einfach vollkommen andere Regeln und Vorstellungen als in den meisten anderen Ländern. Fragt man andere Indien-Reisende, was sie denken, ist die Antwort in den meisten Fällen auch sehr unterschiedlich. Das Problem ist einfach, dass man sich nicht so recht entscheiden kann, was eigentlich überwiegt: das Positive oder das Negative? Hier der Versuch eines Fazits.

Negatives:
  • Die Hygiene in dem Land ist ein massives Problem. Als Reisender muss man auf alles mögliche aufpassen, allem voran auf das Wasser. Wasser sollte man ausschließlich aus gekauften und versiegelten Flaschen trinken. Auch zum Zähneputzen nur gekauftes Trinkwasser verwenden.
  • Keine Chance hat man bei der Kontrolle des Essens. Man weiß einfach nicht, unter welchen hygienischen Bedingungen das Essen selbst in besseren Restaurants gekocht wird. Frisches Gemüse/Obst ist zumindest in den ersten ein bis zwei Wochen absolut tabu. Das wird nämlich oftmals mit dem Leitungswasser frisch gehalten.
  • Das Problem der Hygiene ist leider auch nicht nur auf die zum Teil sehr ärmlichen Verhältnisse in Indien zurück zu führen. Es liegt zum Teil in der Kultur der Inder. So wird beispielsweise der Kot von Kühen mit bloßen Händen angefasst und zu Fladen geformt, mit denen geheizt wird. Die Inder nutzen bekanntermaßen kein Toilettenpapier für ihr „großes Geschäft“ sondern Wasser und die linke Hand. Zwar wird nur mit der rechten Hand das Essen zum Mund geführt, aber natürlich auch mit der linken angefasst.
  • Die Hygiene und Sauberkeit betrifft auch die öffentliche Landschaft. Müll liegt auf offener Straße herum, öffentliche Mülleimer gibt es kaum. Der Müll wird regelmäßig irgendwo gesammelt und dann in den Morgenstunden verbrannt. Das stinkt ordentlich.
  • Die Inder sind laut. Lauter als man es sich in Deutschland vorstellen kann. Vor allem die Straßen sind extrem. Es wird gehupt, was das Zeug hält.
  • Als Ausländer mit „weißer Haut“ ist man dort potentiell ein reicher Mensch und wirklich JEDER will einem irgendwas verkaufen, irgendwo hinfahren oder sonst wie helfen. Das ist extrem anstrengend. Bleibt man nur kurz stehen, um sich um zuschauen, kommt jemand und fragt, wohin man gehen will, ob man was kaufen möchte usw. Also gemütlich eine Straße irgendwo lang schlendern, wie wir Europäer das gerne tun, ist da praktisch kaum möglich. Wir haben zwar im laufe der Zeit gelernt, wie man die ganzen Leute schnell los wird, aber so richtig Spaß machte es dennoch nicht.


Positives:
  • Indien hat einige absolute Highlights, die man im Leben einmal gesehen haben sollte: das Taj Mahal und der Goldene Tempel sind die vermutlich berühmtesten „must haves“, aber es gibt noch viel mehr. Wir waren im Norden und Westen. Dieser Bereich wurde vor allem durch die mächtigen muslimischen Herrscher geprägt. Der Süden hat ganz andere tolle Dinge zu bieten, die wir leider aus Zeitgründen nicht besuchen konnten.
  • Die Inder sind ein sehr entspanntes und fröhliches Volk. Man müsste glauben, so wie die Menschen da Auto fahren und hupen, dass die Inder extrem aggressiv sind. Sind sie aber nicht. Das Hupen ist nämlich – anders als im hektischen Deutschland – kein Ausdruck von „Lasst mich durch, ich hab's eilig!“ sondern lediglich eine Information für andere Verkehrsteilnehmer, dass hier jemand ist. Wer nicht hupt, wird nicht bemerkt.
  • Indien ist bunt! Und das meine ich sehr positiv. Die Kleidung – vor allem die von Frauen - ist sehr farbenfroh. In Deutschland würde man es vermutlich als kitschig empfinden, aber zu Indien passt das irgendwie.
  • Indien hat ein Lächeln für jeden! Strahlende und lachende Gesichter sieht man oft in Indien. So viele gut gelaunte Menschen ist man von Deutschland nicht gewöhnt.

Indien ist – so viel steht fest – ein faszinierendes Land. Es ist schön und erschreckend zugleich. Unser Lieblingsland wird es definitiv nicht, aber eine Rückkehr ist absolut nicht ausgeschlossen!


Übrigens:
Die Berliner Bären in New Delhi
In New Delhi gibt es im Zentrum gerade eine Ausstellung der Berliner Bären. Jedes Land hat dabei seinen eigenen Bär. Sehr lustig, dass diese Wanderausstellung gerade dann in New Delhi ist, wenn wir auch da sind.

Aktuell genießen wir die Vorzüge von Thailand. Dazu aber in den nächsten Tagen mehr und viele Bilder!

Montag, 7. Mai 2012

Amritsar und Dehradun

Der Goldene Tempel (the Golden Temple)
Wie im letzten Blogeintrag angekündigt sind wir nach Amritsar - im Norden Indiens - gefahren. Amritsar ist eine reiche Stadt, die ein absolutes Highlight beinhaltet: den Goldenen Tempel der Sikhs. Dieser Tempel steht inmitten eines künstlichen Sees, der Nektar genannt wird. Die Anlage um den Tempel herum war extrem gut besucht, allerdings waren relativ wenig Ausländer da, was angesichts eines solchen Highlights ungewöhnlich ist. Es waren vor allem Einheimische (darunter viele, die nicht dem Sikhismus angehören), die den Tempel besichtigt haben. Wie in allen Heiligtümern in Indien darf der Tempel von innen nicht fotografiert werden. Ihr dürft mir aber ruhig glauben, wenn ich sage, dass der Tempel von innen noch beeindruckender war als von außen. Im Tempel befindet sich unter anderem das Goldene Buch der Sikhs, aus dem regelmässig vorgelesen wird. Dieses Buch ist gigantisch groß, vermutlich etwa DIN A1 und dann sehr dick. 
Ich mit Kopftuch
Um die Tempelanlage betreten zu dürfen, muss man nicht nur wie überall sonst seine Schuhe ausziehen, auch Socken sind nicht erlaubt und man muss seinen Kopf mit einem Tuch bedecken. Hüte oder Basecaps werden nicht akzeptiert. Daher tragen viele diese sehr kleidsamen orangefarbenen Tücher, die überall verkauft werden (siehe Foto). Grundsätzlich steht der Tempel aber jedem offen, egal welcher Herkunft oder Glauben.

Das Massaker von Amritsar

Amritsar ist aber auch ein Ort mit einer schrecklichen Vergangenheit. Hier wurde am 13. April 1919 vom britischen General Reginald Dyer das Massaker von Amritsar verübt. Dabei wurde auf eine Gruppe von etwa 20.000 Menschen, die eine Versammlung abhielten, ohne Vorwarnung geschossen. 379 Menschen kamen ums Leben, etwa 1.200 wurden zum Teil schwer verletzt. Besonders perfide war, dass der Hof, in dem sich das Massaker abspielte, nur einen kleinen schmalen Ausgang hatte, der von den britischen Soldaten blockiert war. In dem Film Gandhi ist dieses Massaker verfilmt worden. Das kleine Video zeigt den entsprechenden Ausschnitt aus dem Film.


Von hier wurde geschossen
Heute ist dieser Hof eine Gedenkstätte und kann besichtigt werden. Besonders beeindruckend fand ich die kleine Pyramide im Eingangsbereich, die verdeutlicht, von wo die Soldaten auf die Menschen geschossen hatten. General Dyer wollte übrigens mit diesem Massaker erreichen, dass der Widerstand der Inder im Land geringer wird. Er hat exakt das Gegenteil erreicht. Dieser Tat folgte eine Massenbewegung, die letztlich dazu führte, dass die Briten das Land verlassen mussten.

Dehradun und Mussoorie

Seilbahn zum Gun Hill (Cable car to Gun Hill)
Unsere letzte Station der Rundreise durch Indien sollte die Stadt Dehradun und ihre Nachbarstadt Mussoorie sein. Beide Städte liegen bereits an den Hängen des Himalaya und Mussoorie sogar auf fast 2000m Höhe. Dehradun als Stadt haben wir uns gar nicht näher angesehen, sondern haben uns für einen Tag einen Fahrer gemietet und sind nach Mussoorie gefahren. Dort konnte man mit einer Seilbahn auf den Gun Hill, der höchsten Erhebung dort, hinauf fahren.
Der Ausblick war fantastisch und wie sooft nur schwer auf Bilder fest zu halten. Leider waren die schneebedeckten Berge des Himalaya nur sehr schwer zu erkennen, es war zu diesig. Dennoch haben wir diesen kleinen Ausflug genossen und gestaunt, wie mitteleuropäisch die Flora und Fauna da doch aussah. Es gab zum Beispiel Nadelbäume, die ich nirgends sonst in Indien gesehen habe.

Tschüss Indien

Blick vom Gun Hill (view from Gun Hill)
Inzwischen sind wir wieder in Neu Delhi angekommen und haben unseren letzten Abend hier. Morgen reisen wir weiter nach Thailand. Dort werden wir zunächst einmal ein wenig Badeurlaub machen. Ein Fazit, wie wir Indien letztlich fanden, und eine kleine Bildergalerie mit den Highlights werden wir in den nächsten Tagen veröffentlichen. Seid gespannt!

Mittwoch, 2. Mai 2012

Jodhpur

Das Meherangarh Fort
Jodhpur ist als die „Blaue Stadt“ bekannt und sie liegt mitten in der Wüste von Rajasthan. Dass es sich um eine Wüstenstadt handelt merkt man spätestens an der sehr trockenen Hitze und dem Sand, der einem öfters entgegen weht. Aber auch die Tatsache, dass dort Kamele für Lastentransporte eingesetzt werden, zeigt dass die Wüste nicht weit weg ist. Hier sind die meisten Häuser blau angemalt, weil dies ursprünglich eine Stadt von Brahmanen (Priester) war. Blau ist die Farbe der Brahmanen. Inzwischen haben aber auch viele andere ihre Häuser in der blauen Farbe gestrichen.

Meherangarh Fort

Eingang zum Fort (Entrance to Fort)
Jodhpur hat ein absolutes Highlight: Das Meherangarh Fort. Majestätisch thront es ähnlich wie die Akropolis über Athen auf einem Berg und schaut auf die blauen Häuser der Stadt hinab. Wir hatten das Glück ein kleines Hotel zu haben, von dessen Dachterrasse man direkt und ganz nah auf das Fort gucken konnte. Ein toller Anblick. Abends wurde das Fort beleuchtet, was den Anblick nicht weniger beeindruckend machte.
Aber auch von innen konnte sich das Fort sehen lassen. Einmalige Architektur und eine tolle Innenausstattung machen das Fort zu einem fantastischen Ort. Neu ist wohl der kleine Garten, der zwar von den Maharadschas gebaut wurde, der aber zerstört wurde. Er wurde nun wieder aufgebaut und erstrahlt in neuem Glanz. Eine Oase in der Wüste!

Mandore Gardens

Am zweiten Tag in Jodhpur haben wir uns zu Mandore Gardens fahren lassen. Diese Gartenanlage, die etwa 8 km außerhalb von Jodhpur liegt, ist bereits zur Zeit der Maharadschas entstanden. Sie wird bis heute gepflegt und von vielen Indern als ein Naherholungsgebiet genutzt. Auch wenn es ein schöner Ort ist, merkt man doch, dass sich um diesen Park weniger gekümmert wird, als um andere. Das liegt vielleicht am freien Eintritt und dadurch an fehlendem Geld. Immerhin gibt es eine tolle hinduistische Tempelanlage in dem Garten.
Tempel in Mandore Gardens
Etwas entschädigt wurden wir dann danach bei einem kurzen Besuch beim Umaid Bhawan, dem größten in Privatbesitz befindlichen Gebäude der Welt! Ein riesiger Palast, der von einem Herrscher Anfang des 20 Jahrhunderts gebaut worden ist. Er beherbergt neben einem Museum noch ein Luxushotel. Leider zu teuer für unser Budget.

Zurück nach Delhi

Gegen 20 Uhr abends ging dann unser Nachtzug zurück nach Delhi. Wir waren inmitten einer indischen Großfamilie postiert und haben dann zum Wohle aller unsere Plätze getauscht, damit die Familie zusammen sitzen konnte. Wir hatten dadurch die für uns angenehmeren Plätze. Eine Win-Win-Situation.
Meherangarh Fort bei Nacht (at night)
Delhi wird für uns aber nur eine Zwischenstation mit maximal einer Übernachtung sein. Wir werden dort Zugtickets weiter nach Dehradun und Amritsar, ganz im Norden, kaufen. In Dehradun warten die ersten Ausläufer des Himalaya auf uns und in Amritsar steht das größte Heiligtum der Sikhs: der goldene Tempel. Wir freuen uns!

Sonntag, 29. April 2012

Jaipur und die Hochzeiten

Der Palast der Winde
Nach einer kleinen Pause gibt es mal wieder einen Bericht unserer Reise. Nachdem wir Agra verlassen hatten sind wir – wie schon erwähnt – nach Jaipur gefahren. Jaipur ist die Hauptstadt der Provinz Rajasthan und eine große Stadt mit etwa 3 Millionen Einwohnern. Sie ist vor allem bekannt als die „Rote Stadt“. Das liegt daran, dass in der Innenstadt viele Häuser rot angemalt sind. Dies geht auf einen wichtigen Staatsbesuch aus England im 19. Jahrhundert zurück. Da wurden die Häuser rot angestrichen, denn rot ist die traditionelle Farbe der Gastfreundschaft.
Wir haben bewusst ein paar Tage mehr in Jaipur eingeplant, denn es sollte dort viel zu sehen geben. Leider stellte sich heraus, dass unser Programm bereits nach zwei Tagen beendet war. Wir dachten nun, dass wir uns in Jaipur langweilen würden, aber es kam dann doch ein wenig anders, als erwartet.
Zum einen ging es uns körperlich nicht so gut, denn wir hatten immer noch mit einer Erkältung zu tun. Ja, ihr habt richtig gelesen: Erkältung. Indien gehört nämlich zu diesem Ländern, die überall Klimaanlagen haben. Wir buchen inzwischen keine Hotelzimmer mit Klimaanlage mehr. Das hat den Vorteil, dass es zum einen preiswerter ist und zum anderen gewöhnt man sich an die Hitze besser. Wir nutzten also die ruhigen Tage uns ein wenig zu erholen. Zum Glück haben wir inzwischen alles gut überstanden.

Hochzeiten überall

Der Bräutigam beim Umzug
Zum anderen ergab sich sehr spontan eine außergewöhnliche Gelegenheit: Wir wurden zu einer indischen Hochzeit eingeladen. Der Manager des Hostels, in dem wir wohnten, hat alle Gäste zu seiner Hochzeit eingeladen. Da konnten wir natürlich schlecht „Nein“ sagen. Indische Hochzeiten sind vollkommen anders als Deutsche. Der Bräutigam wird auf einem Pferd und einer großen Gruppe von Leuten durch die Stadt geführt. Man läuft zum Gelände, wo dann gefeiert wird. Die Braut wird auf einer Sänfte ebenfalls dorthin getragen und kommt mit einem eigenen Umzug. Der ganze Tross mit Bräutigam tanzt und feiert sich mit lauter Musik zum Ziel. Auch Feuerwerk kommt gerne zum Einsatz. Das ganze erinnert eher an einen Karnevalsumzug.
Auf dem Hochzeitsgelände findet dann die eigentliche Zeremonie statt. Dort legen sich die Braut und der Bräutigam gegenseitig Blumenkränze um den Hals. Es gab viel zu Essen und zu trinken. Das Gelände war riesig und ich schätze es waren etwa 500 Leute anwesend. Wahnsinn! Die ganze Veranstaltung muss ein Vermögen gekostet haben und ging bis tief in die Nacht. Wir sind gegen 0.00 Uhr zurück ins Hotel gefahren. Ich hatte das Glück das Brautpaar am nächsten Morgen gegen 10.00 Uhr im Hotel anzutreffen und ihnen persönlich alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Die beiden trugen immer noch die traditionelle Hochzeitskleidung und hatten noch nicht geschlafen. Alle wichtigen Leute wollten sich die halbe Nacht mit ihnen fotografieren lassen.
Das Brautpaar mit Eltern
Wir haben in Indien noch mehr Hochzeiten gesehen, aber natürlich waren wir nicht persönlich dabei. Für uns war es ein tolles Erlebnis, was wir verpasst hätten, wenn wir früher gefahren wären. Manchmal meint das Schicksal es eben gut mit einem.

Sightseeing

Natürlich haben wir auch einiges in Jaipur gesehen. Zum einen gibt es da das Wahrzeichen von Jaipur, den Palast der Winde. Leider ist er vor allem auf Fotos beeindruckend. Man sieht ihm an, dass die Zeit an ihm genagt hat. Dann waren wir im sog. City Palace, der heute tatsächlich noch von der Familie des Maharadschas bewohnt wird, den man aber besichtigen kann. Eine zum Teil eindrucksvolle muslimische Architektur.
Der Spiegelpalast
Definitiv das Highlight in Jaipur war aber der Amber Palace. Eine gigantische Festungsanlage etwa 11 Kilometer nördlich von Jaipur. Hier kann man sich von einem Elefanten hoch zum Palast tragen lassen. Das haben wir allerdings nicht gemacht, da die Elefanten an dem Tag nicht da waren. Auch ein Elefant braucht schließlich mal einen freien Tag. Daher sind wir zu Fuß hoch, was aber auch nicht weiter schwierig war. Herzstück des Amber Palace, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, ist der Spiegelpalast. Ein kleiner Pavillon, der von innen reich mit Spiegeln gespickt ist. Da der Spiegelpalast von innen gerade restauriert wird, konnten wir zumindest teilweise sehen, wie toll dieser Palast mal ausgesehen haben muss.
Innenansicht Spiegelpalast
Mit einem Nachtzug sind wir dann am 26.4. abends weiter nach Jodhpur gefahren. Jodhpur ist die „Blaue Stadt“ und hat vor allem ein unübersehbares Highlight. Dazu aber mehr im nächsten Eintrag.

Sonntag, 22. April 2012

Agra – Get in touch with the Taj

Das Taj Mahal
Agra ist grob gesagt keine sonderlich schöne Stadt. Sie ist laut und dreckig. Der einzige Grund, warum die Leute in Scharen nach Agra pilgern ist das weltberühmte Taj Mahal. Für das Taj Mahal allerdings ist kein Weg zu weit und kein Eintritt zu teuer.

Taj Mahal

Es gibt weltberühmte Sehenswürdigkeiten, die viel versprechen aber wenig halten. Ich bin beispielsweise bis heute sehr enttäuscht von der Freiheitsstatue in New York. Sie ist erstaunlich klein, völlig überlaufen und hat auch irgendwie wenig Flair. Ebenso ist der berühmte Ort Olympia in Griechenland keine Reise wert. Stark zerfallene und kaum erkennbare Häuser und ein völlig unspektakuläres Stadion lassen diesen Ort wenig an ein sportliches Großereignis erinnern. Wir waren sehr gespannt, ob das Taj Mahal das halten würde, was es versprach. Um es kurz zu machen: Die wahre Schönheit und Eleganz des Taj Mahal lässt sich weder in Worte fassen noch auf Bildern fest halten. Es ist einfach atemberaubend. Dieses Gebäude ist vielleicht das schönste, das je von Menschenhand erschaffen wurde. Um seine volle Wirkung zu spüren muss man es einfach gesehen haben.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Keine Fotos von Möwe und Haekelschwein
Wie überall in Indien muss man sich vor dem Betreten des Areals, in dem sich das Taj Mahal befindet, einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Bei Männern sind die Inder besonders pingelig und genau. Vermutlich weil Frauen seltener Waffen bei sich tragen. Auf jeden Fall wurde meine Tasche durchsucht. Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich immer viele Kabel und Elektronikteile mit mir herum schleppe, aber natürlich keinerlei Waffen. Dennoch fanden die Kontrolleure etwas, was ich nicht mit rein nehmen durfte. Jeder kann nun kurz überlegen, was das sein könnte. Kamera? MP3-Player? Irgendwelche spitzen Gegenstände? Ich wette, ihr kommt nicht drauf, denn die verbotenen Gegenstände waren zwei kleine niedliche ca. 6 cm große Stofftiere: Das Haekelschwein und die Möwe. Ja, ihr habt richtig gelesen. Zwei Stofftiere. Ich durfte sie nun schließlich doch mit rein nehmen, aber ich musste hoch und heilig versprechen, keine Fotos von diesen Tierchen mit dem Taj Mahal zu machen. Vermutlich aus Gründen des Respekts. Die Griechen wollen auch nicht, dass Leute sich in Pose vor ihren Götterstatuen aufstellen. Gerade das Schwein könnte problematisch gewesen sein, denn es handelt sich ja um ein muslimisches Heiligtum.
Rasen fotografieren verboten!
Die Inder haben sowieso irgendwie einen Tick, was fotografieren anbelangt. Man darf fast alles fotografieren, nur nicht das Innere eines Heiligtums (was ich ja noch verstehen kann) und keine Rasenflächen (siehe Foto). Fotografieren scheint für Inder aber auch irgendwie nur als Nebensache zu existieren. Wenn Inder Fotos machen, nehmen sie das Handy. Richtige Kameras haben eigentlich nur Touristen. Wenn Inder was vernünftig aufnehmen wollen, dann filmen sie. Deshalb ist es an vielen Stellen verboten zu filmen, aber nicht zu fotografieren.

Das rote Fort

Eingangstor Rotes Fort, Agra
Agra hat aber noch eine schöne Sehenswürdigkeit: das Rote Fort. Das Rote Fort sieht dem Roten Fort von Delhi von außen recht ähnlich, ist aber deutlich älter. Das Fort in Delhi wurde erst gebaut, als die Hauptstadt Indiens von Agra nach Delhi verlegt wurde. Das Fort in Agra ist innen deutlich interessanter, da es sich anders als in Delhi, um ein Gebäudekomplex handelt. In Delhi steht nur die Mauer und danach ist es eine Parkanlage mit ein paar Häuschen.
Wir schlenderten einen halben Tag durch das Rote Fort und waren dann aber froh am nächsten Tag in Richtung Jaipur aufzubrechen. Jaipur soll sehr schön sein und hat als Hauptstadt der Provinz Rajasthan eine Menge zu bieten.

Spannende Zugfahrt

Wir mussten leider wieder um 4.30 Uhr aufstehen. Das Hostel hatte uns freundlicherweise eine Rik-Shah bestellt, so dass wir bequem zum Bahnhof gekommen sind. Der Zug hatte etwa 30 Minuten Verspätung. Besonders abenteuerlich ist, dass wir diesmal ein Zugticket hatten, was auch die „normalen“ Inder buchen, so dass wir uns nun tatsächlich so fortbewegen, wie es die Inder selber tun. In einfachen Abteilen, alles ein wenig wild durcheinander, keine Klimaanlage (aber Ventilatoren) und offene Fenster. Da die Zugfahrt insgesamt 5 Stunden dauert, hatte ich die Gelegenheit diese Zeilen während der Zugfahrt schreiben zu können. Um mich herum wird jede Menge Hindi gesprochen und zum Teil auch geschlafen, denn viele sind schon gestern Abend in Varanasi eingestiegen. Die neben uns sitzenden Inder packen gerade ihr Frühstück aus. Sehr lustig und wir dürfen mal probieren.
Indisches Frühstück im Zug

Ich beginne die Inder als Menschen zu mögen. Es ist ein freundliches und fröhliches Volk. Es wird viel gelacht und es gibt viele Kinder. Trotz der großen Armut und trotz der zum Teil desolaten hygienischen Verhältnisse ist Indien ein Land der fröhlichen Menschen. Gibt es etwas schöneres?

Freitag, 20. April 2012

Byebye Delhi

Das Qutb Minar
Es ist mal wieder an der Zeit kurz von uns hören zu lassen, denn es gibt viel Neues zu berichten. 
Zunächst einmal waren wir glücklich am Mittwoch, den 18. April endlich unsere Visa für China in den Händen zu halten. Wir mussten sie aus organisatorischen Gründen in Delhi beantragen und waren deshalb auch gezwungen in der Stadt zu bleiben, bis wir unsere Visa und vor allem die Reisepässe zurück erhalten haben. Zum Glück hat das nun geklappt und einem Besuch Chinas steht nichts mehr im Weg.

Qutb Minar und Akshardham

Wir haben die Zwischenzeit für den Besuch zweier toller Sehenswürdigkeiten genutzt. Zum einen waren wir im Qutb Minar. Ein absolut toller Ort mit vielen Gärten und tollen antiken Gebäuden. Das Minar selbst ist ein etwa 40m hoher Turm, der eindrucksvoll aus der Landschaft hervor ragt.
Zum anderen waren wir im Akshardham, dem größten Hindu-Tempel der Welt. Ein ausgesprochen beeindruckender Gebäudekomplex, der im Jahr 2005 eröffnet worden ist. Aus Sicherheitsgründen und weil es sich um ein Heiligtum handelt, ist das fotografieren dort strengstens untersagt. Man darf lediglich eine Flasche Wasser in den Komplex mit hinein nehmen. Daher konnten wir auch keine Fotos machen. Den Tempel selber findet man im Internet, aber nur von außen. Wer mal nach Delhi kommt, sollte sich diesen Tempel auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Auf nach Agra

Am gestrigen Donnerstag sind wir dann um 4.30 Uhr (!!) aufgestanden, weil wir unseren Zug von Delhi nach Agra bekommen mussten. Wir sind froh nun aus Delhi heraus zu kommen und ein paar andere Orte zu sehen. Die Zugfahrt war sehr angenehm und dauerte nur etwa zwei Stunden. Nun sind wir in Agra. Hier gibt es eigentlich nur eine Sache zu sehen, aber die hat es in sich: das Taj Mahal!

Näheres dazu demnächst in diesem Blog!

Sonntag, 15. April 2012

Das Rote Fort

Der Eingang zum Roten Fort
Heute hatten wir endlich mal Gelegenheit ein bisschen Sightseeing zu machen, wie es sich für ordentliche Touristen gehört. Auf dem Programm stand das bekannte Rote Fort, das zur Mogulzeit im 17 Jhd. errichtet wurde.
Das Fort ist vor allem von außen sehr beeindruckend. Es besteht aus einer ca. 2,5 km langen und bis zu 33m hohen Mauer. Ein gigantischer Bau. Im Innern befindet sich eine Parkanlage, die offensichtlich auch von vielen Indern als Naherholungsgebiet genutzt wird.
Für uns war es sehr erholsam mal eine "grüne Seite" von Delhi zu sehen. Auch wurden wir innerhalb dieser Mauern weitestgehend in Ruhe gelassen, was man ansonsten von Delhi nicht gerade behaupten kann. Etwa alle 30 Sekunden möchte jemand seine Dienste für irgendwas anbieten.
Scheinbar sind innerhalb der Mauern vor allem etwas besser gestellte Inder unterwegs, denn für das Fort muss man Eintritt zahlen. Es sind für Inder zwar nur 10 Rupien (ca. 15 cent), aber für viele Inder ist auch das noch viel Geld. Für Touristen kostet es übrigens 250 Rupien (etwa 3,70 Euro).

Claudia war der Star

Claudia war innerhalb der Mauern übrigens eine beliebte Sehenswürdigkeit bei den Indern. Viele guckten überrascht und wollten sich mit ihr fotografieren lassen. Grund: ihre rotblonden Haare und die extrem weiße Haut. So was sehen die Inder sehr selten. Vor allem die besser gestellten, die eher selten zu Fuß über Straßen gehen, sondern schon aus Sicherheitsgründen überall hin fahren, sehen die ganzen Backpacker in Indien eher selten. Aber die Menschen sind alle sehr freundlich und haben immer ein Lächeln auf den Lippen.

Erholung pur

Toller Blick mit viel Grün
Für uns war es heute ein Tag der Erholung. Wir haben es genossen mal ein wenig Ruhe zu haben und schöne Dinge zu sehen, denn nicht alle Dinge in Delhi sind schön. Delhi ist eine große, laute und an vielen Stellen auch sehr dreckige Stadt. Solche Touristenpunkte sind wahre Oasen.
Aus organisatorischen Gründen werden wir noch bis Donnerstag in Delhi bleiben. Dann geht es in der früh nach Agra - zum Taj Mahal.

Donnerstag, 12. April 2012

Ankunft in Indien

Blick auf eine wichtige Einkaufsstraße in Delhi
Hallo Blogleser! Inzwischen gibt es ja schon eine ganze Menge von euch, was uns natürlich freut, aber auch ein wenig der Verpflichtung aussetzt hin und wieder was zu schreiben.

Ankunft in Indien

Der heutige Tag war besonders spannend, denn wir sind heute früh in New Delhi gelandet und haben uns dann vom Flughafen auf in die Unterkunft gemacht. Das Hostel liegt in keiner Luxusgegend, aber von denen gibt es in Delhi ohnehin nur wenige. Das Problem war aber das Hostel überhaupt zu finden, denn Straßennamen oder irgendwelche Ausschilderungen, die einem Touristen helfen konnten, sind ausgesprochen rar.
Irgendwann hatten wir dann genug und sind mit Sack und Pack in eine Fahrrad-Riksha gestiegen. Der arme Kerl musste ganz schon ackern, um uns samt Gepäck an die richtige Stelle zu fahren, was dann letztlich aber sehr gut geklappt hat. Wir haben auf jeden Fall die großen Entfernungen innerhalb Delhis unterschätzt und waren froh den Rest nicht zu Fuß zurück gelegt zu haben.

Müdigkeit macht sich breit

Das Hostel ist einfach aber ok. Vor allem ist es halbwegs sauber und die Leute hier sind nett. Wir sind derzeit noch nicht so richtig in Indien angekommen. Viel Stress durch den Flug, wir sind müde und die große Hitze tut ihr übriges. Es wird sicherlich noch ein paar Tage dauern, bis wir so richtig durchstarten können.
Immerhin gibt es aber schon positives zu berichten: Mit dem Essen hatten wir bisher keinerlei Probleme und wir fühlen uns auch sehr sicher in diesem Land. Klar, man muss aufpassen, dass man nicht über den Haufen gefahren wird, aber ansonsten scheint die allgemeine Sicherheit im Land gut zu sein.

Morgen müssen wir einige organisatorische Dinge erledigen. Dann gibt es auch die ersten schönen Bilder! Versprochen!