Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label USA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 17. Dezember 2012

USA Ostküste – Fazit

Unsere Zeit an der Ostküste der USA war die bisher erlebnisreichste unserer Weltreise. Nicht nur, dass wir tolle Städte besucht haben, nein wir haben auch einige historische Ereignisse miterlebt – manche sogar deutlich dichter als uns lieb war.
Neben dem historischen Wirbelsturm Sandy und der Wiederwahl von Präsident Obama, hatten wir auch noch das Glück mit Halloween und Thanksgiving zwei wichtige US-Amerikanische Feste mitzuerleben. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit direkt mittendrin zu sein in den „Nachrichten aus aller Welt“?

Neue Freunde

Da wir in den USA viel privat übernachtet haben, haben wir auch viele tolle Menschen kennen gelernt und wir haben einen sehr guten Einblick bekommen, wie die US-Amerikaner so leben. Natürlich sieht man als Außenstehender immer nur einen Ausschnitt, aber ich denke unser Ausschnitt ist deutlich größer als der „normaler“ Reisender.
Etwas auf die Nerven gingen uns die zum Teil sehr konservativen Gesetze in den USA, die zudem in jeder Stadt auch noch irgendwie anders sind. Vor allem in den großen Städten mögen selbst viele Einwohner diese Gesetze nicht.

Die Puritaner regieren

Alkohol erst ab 21, Sexszenen im Kino werden geschnitten und in einigen Regionen ist es sogar verboten eine Bar zu eröffnen. Warum gibt es diese Gesetze eigentlich? Die Antwort ist so einfach wie überraschend: die Europäer sind schuld. In Europa wurden viele kleine religiöse Splittergruppen wie die Puritaner oder die Quäker verfolgt. Sie flohen in die USA, wo ihnen ein neues Leben in Freiheit und ohne Verfolgung garantiert wurde. Dort ließen sie sich nieder, gründeten eigene Bundesstaaten und konnten ihre Vorstellung eines erfüllten Lebens leben. Das Problem: Diese Gruppierungen haben sich kaum weiter entwickelt. Einige von ihnen leben immer noch nach den gleichen Grundsätzen und Vorstellungen und da sie in einigen Bereichen die Mehrheit stellen, gibt es diese teilweise völlig dämlichen Gesetze und Vorschriften.
All diese sehr konservativen Leute gehören verschiedenen evangelikalen Gruppen an. Deshalb gilt die evangelische Kirche in den USA auch als deutlich konservativer als die katholische. Das kann man sich in Europa, wo die katholische Kirche praktisch der Inbegriff des Konservativen ist, kaum vorstellen.

Freiheit

Freiheit ist immer wieder der zentrale Begriff in den USA. Alles muss frei sein, die Wirtschaft, die Religion, die Meinungsfreiheit. Staatliche Regulierung in irgendeiner Form – zum Beispiel in Form einer Krankenversicherung – wird als „sozialistisch“ abgelehnt. Auf der anderen Seite schränken die religiösen Gruppierungen die Freiheit des Einzelnen ein, indem sie Verbote erlassen. Ihre Freiheit ist es Gesetze zu erlassen, meine Freiheit ist es, in einen anderen Bundesstaat zu ziehen, wenn ich die Gesetze nicht mag. Sie schränken meine Freiheit ein, um ihre auszuleben. Seien wir ehrlich: 100%ige Freiheit gibt es nicht.

Auf der anderen Seite hat jeder US-Amerikaner die Freiheit sich und seine Familie mit der Waffe zu beschützen. Eine Diskussion, die angesichts des Massakers aneiner Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut wieder aufflammt. Ich bin gespannt, wessen Freiheit nun eingeschränkt wird. Die der Kinder in Grundschulen in Form von mehr Bewachung und Kontrolle oder die Freiheit der Menschen eine Waffe zu besitzen. Es bleibt spannend.

Tolle Städte und viele Sehenswürdigkeiten

Sieht man mal von den teilweise sehr widersprüchlichen Gedanken der US-Amerikaner ab, findet man ein tolles und sehr abwechslungsreiches Land vor. Wir jedenfalls hatten unseren Spaß und konnten uns einen guten Einblick verschaffen. Die USA sind mit ihren sensationellen Bauten und ihrem Hang zum gigantischen immer eine Reise wert.

Zum Abschluss gibt es wie immer noch die Highlightgalerie. Viel Spaß!



Montag, 10. Dezember 2012

The Big Apple

Die Freiheitsstatue
Sie ist eine der ältesten Städte der USA, die Einwanderer zu Beginn des 20. Jahrhunderts mussten sich als erster hier registrieren lassen und es gibt wohl nur wenige Orte auf diesem Planeten, die so berühmt und spektakulär sind, wie diese Stadt. Die Rede ist von New York City – Spitzname: The Big Apple.

Wir hatten das Glück die Stadt ausgiebig besuchen zu können, allerdings gibt es dort so dermaßen viel zu sehen und zu erleben, dass wir leider nicht alles geschafft haben. Aber dafür hatten wir einige vermutlich einmalige Erlebnisse.

Sandy überall

Die meisten haben sicherlich mitbekommen, dass wir insgesamt zweimal in New York waren. Beim ersten mal hat der Wirbelsturm Sandy unsere Pläne durchkreuzt und wir sind nach nur kurzer Zeit nach Chicago „geflüchtet“, wie ich bereits an dieser Stelle beschrieben hatte.
Beim zweiten mal – am Ende unserer USA-Tour – waren wir gespannt, ob man noch Schäden von Sandy vorfinden würde. Um es kurz zu machen: Ja es gab sie noch. InLower Manhattan, also dicht am Wasser, sahen viele Gebäude im Erdgeschoss noch stark beschädigt aus. An einigen Stellen wurde auch offensichtlich noch Wasser aus irgendwelchen Kellern gepumpt. Einige U-Bahnhöfe in Lower Manhattan waren auch noch gesperrt.
Insgesamt schien aber der größte Teil der Schäden bereits beseitigt gewesen zu sein. Wir konnten uns jedenfalls in Ruhe New York anschauen.

Ground Zero

"Loch" im 9/11 Memorial
Bereits bei unserem ersten Besuch in New York haben wir das Gelände des ehemaligen World TradeCenters besucht. Der Besuch an sich ist kostenlos, aber man muss sich vorher registrieren, denn es gibt eine Maximalzahl an Tickets pro Tag.
Da ich 1999 auf dem original World Trade Center war, war ich besonders gespannt, wie der Bereich nun aussieht. Mittlerweile hat das sogenannte 9/11 Memorial geöffnet und es wird zeitgleich ein neues World Trade Center gebaut. Der Turm ist fast fertig und wird einmal das höchste Gebäude in Manhattan sein. Das Memorial ist relativ schlicht gehalten. Es handelt sich um eine Parkanlage, die mit zwei riesigen viereckigen Löchern versehen ist. Aus den Rändern dieser Löcher strömt in großen Mengen Wasser und versinkt in der Mitte der Löcher.
Bei den Löchern handelt es sich um die ehemaligen Fundamente der Twin Tower, also derjenigen Türme, die durch die Flugzeugeinschläge zum Einsturz gebracht wurden. Demnächst wird auf dem Gelände auch noch ein Museum eröffnet, was einige der Originalstahlträger der Twin Tower enthält.

Tolle Architektur

Das Flatiron Building
In New York findet man einige der ungewöhnlichsten Gebäude auf dieser Welt. Neben dem Empire State Building und dem Chrysler Building hat uns vor allem das Flatiron Building gefallen, das eines der Wahrzeichen New Yorks ist. Die ungewöhnliche Keilform macht das Gebäude zu einem besonderen Anblick. Aber auch das berühmte Guggenheim Museum hat uns architektonisch beeindruckt. Sowohl von innen als auch von außen. Die schneckenförmige Anordnung der Gehwege macht das Gebäude zu einer idealen Kunstgalerie, bei der man im Vorbeigehen, die Bilder genießen kann. Leider sagten uns die dort ausgestellten Picassos nicht so zu, aber dafür kann ja das Gebäude nichts.

Man kann noch sehr viel und lange über New York berichten. Diese Stadt ist nicht umsonst so eine Art Prototyp der Weltstadt. Hier gibt es einfach alles. Von bieder bis absolut schräg ist wirklich alles dabei. Auch der berühmte Times Square erstrahlt nach ein paar Stromproblemen durch Sandy wieder in vollem Glanz. Ein Platz der niemals schläft und niemals dunkel wird. Sowas gibt es nur in New York.
Der Times Square

Mittwoch, 28. November 2012

Boston & Philadelphia

Nach Washington haben wir unsere Reise in Richtung Philadelphia fortgesetzt. Während Washington D.C. die aktuelle Hauptstadt ist, handelt es sich bei Philadelphia ja bekanntlich um die ehemalige Hauptstadt. Für die kurze Zeit von 1790 – 1800 wurden die Geschicke der Vereinigten Staaten von Philadelphia aus gelenkt. Hier wurde die Unabhängigkeit erklärt und die Verfassung beschlossen.

Wir waren vier Tage in der Stadt, die so wichtig war für die Gründung der Vereinigten Staaten. In vielerlei Hinsicht wirkt die Stadt ein wenig europäisch. Man merkt einfach, dass es sich um eine der ältesten Städte der USA handelt. Wir sind durch die Straßen der Altstadt gelaufen und haben die wirklich schöne Atmosphäre genossen.
Die Independence Hall von der Südseite
Berühmt ist Philly, wie die Stadt auch gerne liebevoll genannt wird, übrigens auch für die Rocky-Filme. Alle sechs wurden hier gedreht und vor allem die Trainingsszene aus dem ersten Teil dürfte jedem in guter Erinnerung sein. Obwohl „Rocky“ als Person nie wirklich existiert hat, wird er hier verehrt wie eine wichtige Persönlichkeit. Es gibt sogar eine Statue von ihm.

Thanksgiving in Boston

Nach Philadelphia sind wir nach Boston gefahren, um dort eines der wichtigsten Feste der US-Amerikaner zu feiern: Thanksgiving. Das interessante an Thanksgiving ist, dass es vermutlich – anders als zum Beispiel Halloween – nie nach Europa schwappen wird. Es ist einfach zu stark mit der US-Amerikanischen Geschichte verwurzelt und mit den Zutaten, die man nur dort bekommt.
"Unser" Truthahn
Wir waren zu einem Thanksgiving Essen eingeladen und bekamen das volle Programm: Truthahn, Cranberry-Sauce, Kürbis, Süßkartoffeln, Kartoffelbrei, grüne Bohnen und zum Nachtisch Apfelkuchen und Kürbiskuchen.
Es ist wie bei den deutschen Feiertagen. Hat man ordentlich aufgegessen fühlt man sich, als hätte man zwei Elefanten am Stück verschluckt. Außerdem bleibt immer was vom Essen übrig und man hätte locker noch 10 weitere Leute satt bekommen. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß und ein tolles Essen, was es so wohl nur in den USA gibt. Danke an Rachel, die uns eingeladen und so toll bekocht hat!

Natürlich ist Boston auch eine sehr schöne und berühmte Stadt. Hier hat am 16. Dezember 1773 die sogenannte Boston Tea Party statt gefunden, die letztlich zur Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika führte. Zudem sitzt hier mit der Harvard University eine der berühmtesten Universitäten der Welt.
Das Bunker Hill Monument
Wer nur wenig Zeit in Boston hat, dem kann ich den sogenannten Freedom Trail empfehlen. Es handelt sich dabei um einen Wanderweg durch die historische Altstadt von Boston, die mit einer durchgezogenen roten Linie auf dem Boden gekennzeichnet ist und an den wichtigsten historischen Gebäuden vorbei führt. Eine sehr nette Sache.

Wir jedenfalls haben unsere Zeit in beiden Städten genossen und uns am 24. November erneut nach New York aufgemacht. Diesmal hoffentlich ohne Wirbelstürme.

Sonntag, 25. November 2012

Washington


Das Washington Monument
Die nächste Station nach Chicago war die Hauptstadt der USA, Washington D.C. Nach längerer Überlegung und ein paar Preisvergleichen haben wir uns für eine Zugfahrt entschieden. Zug fahren in den USA ist nur auf wenigen Strecken zwischen großen Städten möglich. Es ist sehr bequem, aber auch auch sehr teuer und vor allem sehr langsam. Gemütliche 23 Stunden haben wir für die knapp 1200 km lange Strecke benötigt. Wer es schnell haben will in den USA, der fliegt.




Die Hauptstadt

Man merkt relativ schnell, dass man sich in der Hauptstadt des Landes befindet, denn in bestimmten Regionen sind besonders viele Sicherheitskräfte unterwegs, die auch allesamt einen eher unentspannten Eindruck machen.
Das Kapitol
Herzstück dieser ungewöhnlichen Stadt ist eindeutig die „National Mall“. Anders als man annehmen könnte, handelt es sich dabei keineswegs um ein Einkaufszentrum indem viele US-amerikanische Flaggen verkauft werden, sondern um eine Parkanlage. In und an dieser Parkanlage befinden sich viele berühmte Gebäude und Memorials. Die bekanntesten Gebäude dürften das Kapitol, das weiße Haus und das Lincoln Memorial sein. In der Mitte befindet sich das Washington Monument, das zu Ehren des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington, errichtet wurde.
Außerdem befinden sich um die National Mall herum zahlreiche Museen, wie das Air- andSpace-Museum, das Museum für Amerikanische Geschichte oder das Nationalarchiv, was so bedeutende Dokumente wie die Unabhängigkeitserklärung oder die Verfassung der VereinigtenStaaten beinhaltet. Alle diese Museen sind übrigens kostenlos, was ich sehr bemerkenswert und nachahmenswert finde.

Crashkurs in US-amerikanischer Geschichte

Das Lincoln Memorial
Wir haben uns wirklich alles gegeben. All die Memorials, seien sie aus dem 1., 2. oder irgendwelchen anderen Kriegen. Auch die Memorials zu wichtigen Persönlichkeiten der US-amerikanischen Geschichte wie Lincoln, FranklinD. Roosevelt oder Martin Luther King, jr. Es gibt wahrlich eine Menge zu sehen und es ist wirklich interessant all diese Orte, die ja oft in politischen Filmen der USA gezeigt werden, mal direkt besuchen zu können.
Man versteht auch die Denkweise der US-Amerikaner zumindest ein bisschen besser. Allerdings begreift man auch, dass ihre Denkweise ausschließlich mit der Gründung der USA anfängt. Man findet nur sehr wenig über die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents. Die Indianer (hier gerne „native americans“ genannt) spielen eine nur sehr untergeordnete Rolle. Selbst im National Museum of the American Indian (amerikanische Indianer) wird kaum etwas darüber berichtet, wie die Indianer systematisch vertrieben und getötet wurden. Man findet eigentlich nur Informationen darüber, wie die Ureinwohner heute noch leben. Sehr schade.
Ebenfalls nur sehr marginal angeschnitten wird die Sklaverei in den USA. Die Verschleppung der Afrikaner wird zwar nicht verschwiegen aber eine systematische Aufarbeitung der Vergangenheit sieht anders aus. Immerhin hat man dem Friedensnobelpreisträger Martin Luther King ein Memorial gewidmet. Er ist der einzige Schwarze, dem bisher diese seltene Ehre zu Teil wurde.

Abseits der Innenstadt mit seinen Verwaltungsgebäuden ist Washington eine ganz normale Stadt. Ganz nett, aber nicht außergewöhnlich.

Freitag, 16. November 2012

Chicago


"kleinere" Flutschäden in New York
In einer wahren Nacht-und-Nebel-Aktion sind wir aus dem durch den Sturm Sandy schwer gebeutelten New York nach Chicago gefahren. Es war nicht ganz so einfach die Stadt zu verlassen, denn der gesamte Busbetrieb ist für eine Weile eingestellt worden. Die Züge fuhren ebenfalls nicht mehr, da alle Bahnstationen in New York unterirdisch sind und aufgrund der Flut, die Sandy mitgebracht hatte, voller Wasser gelaufen sind.
Bei der größten nordamerikanischen Busgesellschaft Greyhound sind die Computer ausgefallen und die gesamten Tickets mussten „von Hand“ ausgestellt werden. Das muss man sich einmal bildlich vorstellen: Da steht man im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ in der vielleicht coolsten und hippsten Stadt der Welt und die größte Busgesellschaft der USA muss die Verbindungen und Zeiten in großen Fahrtenbüchern nachschlagen und füllt kleine vorgedruckte Zettel von Hand aus. Es fühlte sich ein bisschen wie Mittelalter an.
"vollelektronische" Bustickets
Nachdem wir aufgrund des Chaos - wie viele andere auch – die Nacht in der sehr komfortablen Busstation verbracht hatten, traten wir unsere 18stündige Busfahrt nach Chicago an, mit umsteigen in Cleveland. Die Busse waren sehr bequem und hatten sogar funktionierendes WLAN an Board – kostenlos! Außerdem konnte man seine Elektrogeräte aufladen. Da es in New York ja zu großen Teilen keinen Strom gab – purer Luxus!

Oak Park

Nachdem wir in Chicago angekommen waren und die erste Nacht in einem kleinen Hostel verbrachten, in dem wir eigentlich nichts anderes gemacht hatten als Schlaf nach zu holen, hatten wir das große Glück bei einem sehr netten Menschen unter zu kommen, der in Forest Park, einem Vorort von Chicago, wohnt. Er hatte die U-Bahn mehr oder weniger vor der Haustür und wir konnten somit leicht jeden Tag in die Innenstadt fahren. Eine super Sache.
Haus im Prärie-Stil
Unser Gastgeber Tom hatte auch jede Menge tolle Tipps für uns. Er hat regelmäßig Gäste über CouchSurfing und war bestens ausgestattet mit Karten und Informationen. Gleich am ersten Tag führte er uns durch den Nachbarort Oak Park, in dem ein paar sehr interessante Häuser stehen. Oak Park ist bekannt für den Architekten Frank Lloyd Wright, der dort Ende des 19. Jahrhunderts den sogenannten „Prärie-Stil“ kreierte. Einige seiner Häuser stehen in Oak Park. Seine Architektur ist gekennzeichnet durch gerade, symmetrische Linien und oft wurde das Haus nicht nur von außen, sondern auch von innen von Frank Lloyd Wright entworfen. Besonders interessant finde ich die Idee, den Eingang eines Hauses nicht – wie sonst üblich – klar sichtbar in der Mitte des Gebäudes zu platzieren, sondern etwas versteckt an der Seite. Dazu kommt, dass der Weg dorthin (zB durch den Vorgarten) nie direkt sondern immer außen herum oder verschlungen ist. Damit soll erreicht werden, dass der Besucher das Haus nicht einfach betritt sondern die Architektur und Schönheit sozusagen „entdeckt“.
Außerdem gibt es noch das Geburtshaus von Ernest Hemingway und als besonders bemerkenswertes Gebäude den „Unity Temple“ der Unity Church in Oak Park.

Eine tolle Stadt

Chicago im Herbst
Tja, was soll man lange drum herum reden: Chicago ist toll. Es gibt viele tolle Museen – vor allem das weltberühmte Art Institute of Chicago (das wir auch besucht haben) – Jazz, Blues, Swing usw. wurden hier erfunden oder weiter entwickelt und das Chicago Symphony Orchestra gehört zu den besten der Welt. Chicago ist definitiv eine Kulturstadt.
Sie gilt außerdem als die Geburtsstadt der Wolkenkratzer. Die vielen Hochhäuser aus den verschiedensten Architekturepochen zeugen von einem positiven Wettbewerb unter den Architekten. Hier werden die Häuser nicht einfach lieblos hin geklatscht. Nein. Jeder versucht ein besonders tolles und außergewöhnliches Gebäude zu errichten. Das führt dazu, dass viele der Gebäude absolut einmalig sind. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus, wenn man die vielen tollen Gebäude sieht. Als Krönung liegt Chicago dann ja auch noch an einem der größten Seen dieser Erde – dem Lake Michigan. Gigantisch wie ein Ozean erstrecken sich die endlosen Süßwasserfluten über den Horizont. Es ist kaum zu glauben, dass es sich hierbei um einen See und eben nicht um ein Meer handelt.

Wir können nur jedem empfehlen sich Chicago mal aus der Nähe anzuschauen. Es lohnt sich definitiv. Für die Art-Gallerie mit Bildern von so unbedeutenden Künstlern wie Monet, Chagall, Picasso oder Dalí sollte man einen ganzen Tag einplanen.

Da wir nach langer Zeit mal wieder Zug fahren wollten, haben wir uns ein Ticket von Chicago nach Washington D.C. gekauft. Die Züge in den USA sind bequem, aber langsam. Fast 24 Stunden dauerte die Fahrt in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Aber allemal besser als 19 Stunden Bus fahren.

Mittwoch, 14. November 2012

Grenzerfahrungen


oder
Wie ich ein illegaler Einwanderer der USA wurde

Es gibt so Tage, da geht alles schief und man möchte sie am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen. Der 25. Oktober 2012 war genau so ein Tag. Es war der Tag, an dem wir Mexiko verließen, um nach New York zu fliegen. Wir hatten einen Direktflug von Cancún und alles gut organisiert. Der Shuttlebus fuhr uns pünktlich von Playa del Carmen aus zum Flughafen und wir stellten uns brav in die noch nicht all zu lange Schlange bei United Airlines an. Wir hatten genügend Zeit eingeplant, denn United ist nicht unbedingt berühmt dafür Leute besonders schnell abzufertigen. Umso erfreuter waren wir, als wir sehr schnell dran kamen, denn das bedeutet auch, dass wir unser Gepäck los werden würden.

Phase 1 – Das Ticket

Als wir allerdings am Schalter standen wurden wir gefragt, ob wir den Flug geändert hätten. Ich bejahte, denn wir hatten vor Wochen mal das Abflugdatum geändert. Das hatten wir schon öfters getan und es war nie ein Problem gewesen. Dieses mal jedoch sagte man uns, dass wir das bezahlen müssten. Als ich der freundlichen Dame erklärte, dass es sich um ein RTW-Ticket handeln würde, was bereits bezahlt sei und ich noch nie irgendwas bezahlen musste, wenn ein Abflugtermin geändert wurde, fing sie an wild zu telefonieren und sich von anderen Leuten Informationen zu holen. Das ist meist ein eher schlechtes Zeichen. Nach ein wenig hin und her kam dann heraus, dass zwar eine Reservierung für uns auf dem Flug lag, aber das Ticket nicht an United überschrieben wurde. Klingt komisch, ist aber so. 
Das RTW-Ticket ist technisch von New Zealand Airlines ausgestellt worden. Da United Airlines aber kein Zugriff auf deren Tickets hat und New Zealand Airlines auch nicht in Cancún vertreten ist, blieb nur eines: in Deutschland anrufen und hoffen, dass das Reisebüro was ausrichten kann. Zunächst versuchten wir mit den öffentlichen Münztelefonen nach Deutschland zu telefonieren. Leider nahmen die weder die Kreditkarten noch wollten die unser Geld. Wir hatten dann noch Telefonkarten gekauft, mit denen ging es aber auch nicht. Also habe ich mein deutsches Handy genommen und dort angerufen. Wir waren stark unter Zeitdruck, denn es war in Deutschland bereits 18 Uhr und wir wussten nicht, ob dort jemand erreichbar wäre. Zum Glück war aber jemand da und der Mensch war auch kompetent. Er änderte alles im Computer und eine halbe Stunde später konnten wir uns wieder anstellen, das Ticket war zu United überschrieben worden. Wir ärgerten uns ein wenig, denn die Schlange war nun ewig lang, aber man nahm uns mit – das war die Hauptsache.

Phase 2 – Der Flug

Wir nahmen unsere Boardingtickets entgegen, sind noch schnell was überteuertes am Flughafen Essen gegangen (bei United muss man das Essen nämlich oft im Flieger extra bezahlen) und dann zum Gate gehetzt, das Boarding hatte bereits begonnen. Als wir den Flieger betraten konnten wir es kaum glauben: Wir waren in die Business-Klasse hoch gestuft worden. Der Flieger war so gerammelt voll, dass kein Platz mehr in der Economy Class war. Es war also durchaus Glück so spät zu kommen. Vielleicht hatte man uns wegen der Ticket-Geschichte auch bevorzugt behandelt. Wir wissen es nicht. Fakt ist aber, dass mehrere Leute hoch gestuft wurden.
Ärgerlich war, dass wir ein fantastisches und kostenloses Mahl in der Business-Klasse erhielten. Wir hätten uns also das überteuerte Essen am Flughafen sparen können. Aber wenigstens mussten wir an dem Tag nicht hungern – ist ja auch was. Der Flug war sehr angenehm.

Phase 3 – Die Grenze

Die Grenze der Vereinigten Staaten ist berüchtigt für ihr rigoroses Vorgehen gegen einreisende Personen. Nicht nur, dass man seine Fingerabdrücke wie ein Verbrecher dort abgeben muss, beim leisesten Verdacht auf irgendeine „Unregelmäßigkeit“ wird man näher unter die Lupe genommen. In Honolulu hatten wir keinerlei Probleme bei der Einreise. Claudia hatte auch in New York keine Probleme, allerdings wurde die nette Frau an meinem Schalter ein wenig nervös, als sie in den Rechner schaute. Ich wurde in einen extra Raum gebeten und musste mich einer unangenehmen Befragung stellen. Ich wurde, ohne dass man mir mitteilte, warum ich befragt wurde, nach meinem Beruf, Grund der Reise, Kontostand usw. gefragt. Das ganze in ziemlich unfreundlichem Ton und mit sehr argwöhnischem Blick. Als ich zunächst sagte, dass ich mit meiner „Freundin“ reisen würde (Claudia musste übrigens draußen warten und ihr wurde auch nichts mitgeteilt) und später sagte, dass sie meine „Verlobte“ sei, bezichtigte man mich sogar der Lüge. Immerhin ist „Verlobte“ und „Freundin“ natürlich GANZ etwas anderes. 
Selbstverständlich ist der rechtliche Status von „verlobt sein“ in den USA der gleiche wie von „befreundet sein“ - genau wie in Deutschland. Man schien also mit aller Gewalt irgend eine „Ungereimtheit“ finden zu wollen, um meine Aussagen unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Man nahm mir dann meine Mobiltelefone und den PC weg und der Grenzbeamte suchte Claudia auf. Offensichtlich war ihre Aussage dann ähnlich genug zu meiner Aussage. Man gab mir Handys und PC zurück und ließ uns gehen. Als ich fragte, was das ganze nun sollte, sagte man mir, dass man sicher gehen wollte, dass ich nicht illegal in die USA einwandern wolle. Ähm ja...das ist natürlich auch der wahrscheinlichste Fall, dass man über Indien, Thailand, China, Australien und Neuseeland sozusagen DIREKT in die USA einreist, dann noch kurz nach Mexiko fliegt, um dann aber wirklich in die USA zu kommen. Außerdem habe ich ein Rück- bzw. Weiterflugticket und bin Staatsbürger eines der reichsten Länder des Planeten. 
Wir wissen nicht, ob das tatsächlich der Grund war oder ob ich unter Terrorverdacht stand. Immerhin war meine Haut von der Sonne stark gebräunt und ich bin dunkelhaarig und ich reise viel herum. Man fragte mich auch, ob meine Eltern Deutsche seien. Alles sehr, sehr merkwürdig.
Wir beschlossen dann schnell zu gehen, bevor sie es sich anders überlegen würden. Wir hatten damit gerechnet, dass man uns vielleicht nach Drogen durchsuchen würde, weil wir ja aus Mexiko gekommen sind. Aber Drogen hätten wir vermutlich in größeren Mengen unbemerkt einführen können. Danach hat uns niemand gefragt oder kontrolliert.

Phase 4 – Kreditkarten

Als nächstes benötigten wir Geld, um zu unseren Gastgebern nach Jersey City zu kommen. Leider spuckten die Kreditkarten kein Geld aus. Das passiert manchmal, wenn die Geldautomaten Probleme mit der Verbindung haben. Manchmal geht es auch an Automaten einer bestimmten Marke nicht. Aber auch direkt bezahlen funktionierte nicht. Zum Glück verlassen wir uns ja nicht nur auf die Kreditkarten sondern haben auch immer noch EC-Karten dabei. Nachteil bei den EC-Karten: Sie gehen nicht an allen Automaten außerhalb Europas und sie nehmen höhere Gebühren. Aber wir brauchten das Geld. Wir stellten später fest, dass die Bank uns den Kreditrahmen ohne Vorankündigung entzogen hatte. Die Karten sind nicht gesperrt. Wir können jederzeit Geld drauf laden, aber es gibt eben keinen Kredit im eigentlichen Sinne. Es sind nun nur noch Debitkarten. Wir haben nämlich das dazugehörige Girokonto ein wenig zu stark überzogen. Das ist in der Vergangenheit schon ein paar mal vorgekommen, aber wir haben das Konto regelmäßig ausgeglichen. Es gab also immer Geldeingang auf dem Konto.
Das ist für unsere Planungen gerade ein wenig unkomfortabel, aber nicht weiter tragisch. Wir haben Geld und wir haben auch noch die MasterCard für Notfälle. Die hat zwar recht hohe Gebühren, aber sie funktioniert. Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass wir ohne Geld irgendwo gestrandet sind. Das sind wir nicht. Wir hatten nur für einen Tag das Problem, dass wir nicht an unser Geld heran gekommen sind. Wir streiten uns gerade deshalb ein wenig mit der DKB per Email rum. Das kennt man ja. Man schreibt eine Email und bekommt vorgefertigte Textblöcke in einer Email als Antwort zugeschickt. Sehr nervig.
Insgesamt können wir die DKB nur empfehlen, aber man muss sich darüber im klaren sein, dass es sich um eine Internetbank handelt. Wenn da im Computer irgendein Mechanismus in Gang gesetzt wird, wird eben automatisch gehandelt. Ohne Nachfrage. Der Computer entscheidet. Und wenn das im Computer so steht, kann es auch nicht geändert werden. Basta.

Phase 5 – Ankommen

Etwa so haben wir uns gefühlt.
Zum Glück sind wir dann doch bei Molly in Jersey City angekommen. Die hatte sich schon Sorgen gemacht und sich dann im Namen der Vereinigten Staaten bei mir wegen der Behandlung an der Grenze entschuldigt. Da sie selbst lange im Ausland gelebt hat, weiß sie, wie unangenehm so etwas sein kann und sie kennt viele Geschichten von Leuten, die in die USA eingereist sind. Wir jedenfalls waren froh, dass wir sicher in Mollys gemütlichem Heim angekommen waren. Bis drei Tage später Sandy die Region besuchen sollte. Aber darüber hatte ich ja bereits hier berichtet.


Mittwoch, 7. November 2012

US-Wahl 2012

Wir haben Obama gewählt.

Wir hatten das große Glück "live" bei der Präsidentschaftswahl in den USA dabei zu sein. Wir waren zu dieser Zeit in Chicago und hatten einen Gastgeber, der uns eine außergewöhnliche Ehre zu Teil werden ließ: Wir durften ihn ins Wahllokal begleiten und den Vorgang der Wahl live beobachten. Ein sehr interessanter Vorgang, denn in den USA sind in den meisten Bundesstaaten - anders als in Deutschland - Wahlcomputer zugelassen.



Verrückter Wahlkampf

Vorgärten in Chicago
Der Wahlkampf in den USA ist völlig anders als in Deutschland. Er ähnelt eher der Präsentation neuer Produkte in einem Baumarkt - aufgebläht zu einer riesigen Show. Aus europäischer Sicht besonders ärgerlich ist, dass es im US-Wahlkampf offensichtlich ausschließlich um wirtschaftliche Fragen zu geben scheint. Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskraft der USA sind DIE Themen. Umweltschutz, Atom-Politik usw. spielen keinerlei Rolle in den USA. Dazu kommt, dass die Wahl "ihres" Kandidaten für die US-Amerikaner so etwas wie eine Herzenssache oder gar eine Religion zu sein scheint. Viele  machen auch keinen Hehl daraus, wen sie unterstützen und stellen das sogar in ihren Vorgärten zur Schau. Hat schon einmal ein Pro-CDU oder Pro-SPD-Schild in einem deutschen Vorgarten gesehen?
Teilweise wird mit harten Bandagen gekämpft
Ziemlich verrückt ist auch, dass der Wahlkampf ein riesiges Geschäft zu sein scheint. Viele Firmen nutzen den Wahlkampf für Sonderprodukte. Die Wahl des "richtigen" Kaffeebechers ist da nur ein Beispiel von vielen.

Die Wahlkabine

Wir hatten das Glück unseren Gastgeber Tom bei seiner Wahl zu beobachten. Zusammen mit einem weiteren Gast aus Deutschland haben wir ihn zum Wahllokal begleitet und konnten uns einen Eindruck darüber verschaffen, wie in den USA gewählt wird. Hier ein paar Eindrücke als Foto.

Das richtige Wahllokal

Die Rechte der Wähler

Unterlagen für die Wahl

Wahlcomputer
Tom bei der Wahl am Wahlcomputer

Man darf aber gerne auch noch nach der herkömmlichen Methode, also mit Papier und Stift wählen. Dann wählt man in diesen Wahlkabinen:

Wahlkabinen für "herkömmliche" Wahl

Nachdem man gewählt hat, erhält man übrigens einen kleinen Button "I voted". In den USA steht man eben darauf mit zuteilen, dass man wichtige Dinge getan hat. 

Zurück in Toms Wohnung haben wir dann mit Spannung die Wahl verfolgt. Da wir alle ausnahmslos Barack Obama die Daumen gedrückt haben, konnten wir am Schluss ein wenig feiern. Ein spannender Abend!


Freitag, 2. November 2012

Sandy in New York


Hier ein kurzer Sondereintrag zum Thema „Sandy“ an der Ostküste der USA. Wie die meisten sicherlich wissen, sind wir inzwischen wieder in den USA – genauer gesagt im Raum New York. Erst nachdem wir dort angekommen waren, haben wir vom Sturm „Sandy“ erfahren und anfangs war auch eher von „besonders schlechtem Wetter“ die Rede. Die Ausmaße, die das annehmen würde, konnte keiner so richtig ahnen. Dass die US-Medien gerne Dinge überdramatisieren, hat auch wenig dazu beigetragen die Situation vernünftig einschätzen zu können.
Als dann aber klar war, dass Sandy nicht nur ein „bisschen Wind“ machen würde, war es schon zu spät. Es gab praktisch keine Möglichkeit mehr den Großraum New York zu verlassen. Außerdem: Wo genau hätten wir hinfahren sollen? Washington und Philadelphia lagen – wie sich erst später heraus stellte – sogar direkt im Auge des Sturms. Da der Sturm nach Norden zog, war das auch die falsche Richtung. Blieb eigentlich nur nach Westen. Da der Sturm aber über 1500 km breit war, hätte man schon nach Chicago gemusst, um den Sturm zu entfliehen. Wir haben beschlossen zu bleiben, denn sich nach New York zu begeben – von wo die Busse fahren – und dann womöglich aus Manhattan nicht mehr nach Jersey City zu kommen, das wär das schlimmste gewesen, was hätte passieren können.
Wir hatten wir das Glück privat in Jersey City unter zu kommen. Bei uns war der Sturm auch bei weitem nicht so schlimm, wie in der nur ein paar km entfernten Stadt Hoboken, die direkt am Hudson River gegenüber von New York City liegt. Um euch das Ausmaß live vor Augen zu führen, hier ein paar Bilder, die ich in der unmittelbaren Nachbarschaft einen Tag nach dem Sturm gemacht habe. Man ist praktisch aus der Haustür getreten und hat die Schäden vorgefunden.

Zerstörtes Haus in Jersey City

Zerstörte Straßenlaterne

Auf ein Auto gestürzter Baum

Autos in Hoboken






Der Basketballplatz einer Schule

Eines der größten Probleme nach wie vor ist die Stromversorgung. Das liegt zu einem  Großteil daran, dass diese überirdisch verläuft.

Oberleitungen überall in Jersey City
Ich hatte übrigens das seltene Vergnügen mit Jürgen Domian in seiner  Sendung Domian über den Hurrikan Sandy zu sprechen. Wer es sich anhören möchte, kann die ganze Sendung hier als MP3 kostenlos herunter laden. Ich bin gleich der erste Anrufer. Derzeit sind wir auf dem Weg nach Chicago und werden wohl auch bald ankommen. Aber dazu an entsprechender Stelle mehr.

Donnerstag, 20. September 2012

Südwesten USA – Fazit


Es gibt viele Vorurteile, die man in Deutschland über die USA hört. Alle Amerikaner sind dick, doof und ungebildet. Der Kaffee ist mies, das Essen schlecht und so weiter und sofort. Es gibt noch viele mehr und ich will sie gar nicht alle aufzählen. Fakt ist, dass einige wahr und andere komplett unwahr sind. Das Essen zum Beispiel ist keineswegs schlecht und der Kaffee nur manchmal.
Was ich aber ausgesprochen interessant finde ist die Tatsache, dass die Europäer immer auf den Amerikanern herum hacken, dass sie „keine Kultur“ hätten. Die Amerikaner wiederum entschuldigen (!!!) sich bei Europäern immer wieder, dass ihre Häuser höchstens 200 Jahre alt sind. Was soll der Quatsch? Mal abgesehen davon, dass ich nicht in die USA fahre, wenn ich 2000 Jahre alte Gebäude sehen will (nein, da fahre ich eher nach Südeuropa), verstehe ich nicht, warum die Europäer eigentlich immer über die angeblich nicht vorhandene Kultur der Amerikaner herum spotten. Die aktuelle Kulturszene der USA halte ich für deutlich freier und lebendiger als die Deutsche. Kulturell ist in Deutschland in den letzten 50 Jahren deutlich weniger passiert als in den USA. Beispiele gefällig? Gern: Hollywood-Filme, diverse Arten von Pop-Musik darunter so bedeutende Dinge wie Rock'n'Roll, Jazz, Swing, Blues, Soul, Rap usw. Die von vielen so geliebten Musicals haben ebenfalls ihren Ursprung in den USA. Alle erfolgreichen Fernsehformate in Deutschland der letzten zehn Jahre kam entweder direkt aus den USA oder wurden zumindest erfolgreich kopiert. Dazu kommt die Telekommunikationsindustrie. So ziemlich jede Innovation, die irgendwas mit Computer oder Internet zu tun hatte, kam aus den USA. Einzige Ausnahme sind die Mobiltelefone und das Internet selber. Das Internet wurde im CERN in Europa entwickelt, aber die entscheidende Prägung des Netz wurde durch amerikanische Firmen erreicht. Selbst kulinarisch hat die USA Einfluss auf Deutschland. Von diversen Burgerbuden mal ganz abgesehen wird mexikanisches Essen in Deutschland immer beliebter. Die ganzen Burritos, Enchiladas etc. sind aber eine Erfindung der Mexikaner in den USA, so ähnlich wie die Döner bei uns. In Mexiko findet man dieses Essen traditionell nicht. Die USA hat also auch unsere Vorstellung von mexikanischem Essen geprägt.
Die Liste ließe sich beliebig weiter führen. Und doch glauben viele Europäer irgendwie besser zu sein, weil ihre Historie viel älter ist.

Die Wirklichkeit

Berlin ist verdammt weit weg!
In Wirklichkeit sind die USA ein Land wie jedes andere auch. Es gibt Positives und Negatives, es gibt dicke und dünne Menschen und es gibt Idioten und Genies. Vor allem aber sind die USA ein riesiges Land. Sie sind sowohl in der Fläche als auch bei der Bevölkerung das drittgrößte Land der Erde (nach der Fläche hinter Russland und Kanada und nach der Bevölkerung hinter China und Indien).
Wir haben uns hauptsächlich in Kalifornien aufgehalten, was immerhin der bevölkerungsreichste Staat der USA ist. Dieser Teil der USA ist mit seinen Weltstädten San Francisco und Los Angeles und seinen diversen Nationalparks (Yosemite, Death Valley, Sequoia usw.) besonders beeindruckend. Dazu kommen weitere Sehenswürdigkeiten in angrenzenden Bundestaaten wie Las Vegas, der Grand Canyon oder der Zion Nationalpark. Dass diese Gegend so viele berühmte Sehenswürdigkeiten hat liegt nicht ausschließlich am sicherlich hervorragenden Marketing der USA. Es liegt vor allem daran, dass diese Gegend geradezu atemberaubende Landstriche hat. Nun könnten Kritiker vielleicht behaupten, die Natur wäre ja auch nicht von den Amerikanern gemacht. Stimmt. Aber die Idee des Nationalparks, eines Parks, der diese einzigartige Natur schützen und bewahren will, wurde in den USA geboren.

Tolle Städte

San Francisco, Los Angeles, Las Vegas. Allein bei diesen drei Namen weiß jeder, dass es sich um ungewöhnliche Städte handelt. Dazu kommen im Südwesten der USA noch diverse weitere kleinere Städte, die ebenfalls einen sehr eigenen Charme haben und einen guten Eindruck über das echte Leben in den USA vermitteln. Selbst das so viel geschmähte und oft auf Hollywood reduzierte Los Angeles bekommt ein ganz anderes Gesicht, wenn man sich ein wenig aus den Touristenecken heraus begibt und die Stadt bzw. den Großraum in Ruhe erkundet ohne Weltsensationen zu erwarten.

Rundtour empfohlen

Wir jedenfalls haben uns sehr wohl gefühlt im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Wir können nur jedem empfehlen diese wirklich einzigartige Ecke der USA zu besuchen. Voraussetzungen sind allerdings, dass man sich ein Auto mietet. Ohne ein Auto macht es absolut keinen Spaß, denn der öffentliche Personennahverkehr – und das ist ein Gerücht, was stimmt – ist hundsmiserabel. Zudem kommt man ohne Auto in die tollen Nationalparks praktisch nicht rein. Empfehlenswert ist vor allem die Zeit September/Oktober, da es dann nicht mehr ganz so heiß und vor allem nicht mehr ganz so voll ist. Im Juli und August sind sowohl in den USA als auch in Europa Ferien. Und das merkt man auch sehr deutlich!

Wer noch unentschlossen ist, ob er die ca. 6200 km (!!), die wir gefahren sind, ebenfalls in Angriff nehmen möchte, kann sich in der Highlightgalerie von der Schönheit der Region überreden lassen. Da in dieser Galerie noch zusätzlich die Hawaii-Bilder mit drin sind und weil es wirklich verdammt viele tolle Bilder gab, ist die Highlight-Galerie diesmal etwas größer als sonst. Viel Spaß.