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Donnerstag, 16. Mai 2013

Fernbusse in Deutschland - Ein Selbsttest


Seit Januar 2013 ist der Fernverkehr in Deutschland liberalisiert, das heißt, dass die Bahn ihr Monopol verloren hat und ab sofort Fernbusse in ganz Deutschland eingesetzt werden dürfen. Seitdem drängen immer mehr Fernbusanbieter auf den Markt. Was viele nicht wissen: Die größte Deutsche Busgesellschaft ist BerlinLinienBus, die der Bahn gehört und gegründet wurde, um Berlin zur Zeit der Teilung besser an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen.

Es wurde bereits viel über diese neuen Fernbusse geschrieben. Da ich Fernbusreisen aus Asien und Südamerika sehr gut kenne, war ich gespannt, wie das ganze in Deutschland umgesetzt wurde. Da ich über das Himmelfahrtswochenende aus privaten Gründen nach Berlin wollte, entschied ich mich den Bus zu nehmen.



Das Ticket


Es gibt zwar inzwischen vier bis fünf größere Fernbusunternehmen, aber das Streckennetz ist derzeit noch recht übersichtlich. Allerdings kommen nahezu täglich neue Strecken hinzu. Nach Berlin zu kommen ist vergleichsweise einfach, wenn man aus einer anderen größeren Stadt startet. Ich selbst wohne in Weinheim, zwischen Mannheim und Heidelberg. Das Unternehmen MeinFernbus bietet eine Direktfahrt von Heidelberg über Darmstadt und Frankfurt nach Berlin an. Bei allen anderen Unternehmen hätte ich irgendwie umsteigen müssen. Ich entschied mich in Darmstadt abzufahren. Das ist von mir aus mit der Bahn bequem in 25 Minuten zu erreichen und der Bus hält direkt am Bahnhof.


Das Bestellen des Tickets im Internet ist kinderleicht. Man gibt Start und Ziel ein, nennt das gewünschte Datum und schon wird ein Preis und eine Verbindung ausgespuckt. Alles sehr übersichtlich und leicht verständlich. Bezahlt werden kann per Kreditkarte oder PayPal. Wer möchte kann beim Fahrkartenkauf auch eine kleine Spende an MyClimate absetzen. Ob das wirklich der Umwelt hilft sei mal dahin gestellt, aber es beruhigt das Gewissen.

Das Ticket bekommt man dann per Email als PDF zugeschickt. Auf dem Ticket befindet sich ein QR-Code für einen „Express Checkin“. Allerdings hat man mich beim Einstieg in den Bus lediglich nach meinem Namen gefragt und mich auf einer Liste abgehakt. Das ist auf jeden Fall angenehm unbürokratisch, aber eine Expressmöglichkeit gab es da nicht. Vielleicht kommt das ja auch noch.



Bequemlichkeit im Bus


Um 9 Uhr morgens sollte die knapp achtstündige Fahrt beginnen. Etwa zwanzig vor 9 war ich in Darmstadt an der Bushaltestelle. Der Bus hatte etwa 30 Minuten Verspätung und fuhr somit erst gegen 9.30 Uhr ab.

Von innen war der Bus sehr bequem und gut ausgestattet. Ähnlich wie bei Flugzeugen gibt es einen kleinen Tisch, den man herunter klappen kann. An Board gibt es auch kleine Snacks und Getränke, die man beim Fahrer käuflich erwerben kann. Die Preise sind auch völlig in Ordnung. Interessant finde ich das Konzept der „Vertrauenskasse“. Da wirft man - ohne dass kontrolliert wird – den entsprechenden Betrag hinein. Sehr angenehm.

Das erste Problem trat auf, als ich meinen Laptop aufklappen wollte. Es handelt sich um einen kleinen 10-Zoll Eee-PC von Asus – einem PC also, der etwas kleiner ist als ein DIN A4-Blatt. Leider passt selbst dieser Rechner nicht richtig auf den kleinen Tisch und es ist schwierig das Display soweit zurück zu klappen, dass es vernünftig betrachtbar ist. Wer seinen Laptop also während der Fahrt nutzen möchte, sollte ihn auf die Knie legen, was auf Dauer aber auch anstrengend sein kann. Steckdosen an den Plätzen gibt es leider nicht. Lediglich der Platz an der hinteren Bustür hat eine Mehrfachsteckdose für alle Passagiere. An diesem Platz sind auch die Vordertische ein wenig anders und daher gut geeignet für Laptops. Wer also den Laptop nutzen möchte, sollte direkt an der hinteren Bustür sitzen.


Das WLAN funktionierte bei mir auf der Strecke - bis auf wenige Ausnahmen - einwandfrei. Das war schon eine tolle Sache. Wenn man bedenkt, dass die Bahn WLAN nur für einen Haufen Geld und nur auf wenigen Strecken anbietet, ist das kostenlose WLAN im Bus ein riesiger Fortschritt! Allerdings gibt es viele Berichte, dass das WLAN nicht zuverlässig funktionieren würde. Ausnahmsweise kann man der Busgesellschaft hier keinen Vorwurf machen. Das liegt nämlich an der ziemlich miesen Netzabdeckung für mobiles Internet in Deutschland. Die Busse beziehen das Internet über das UMTS/LTE-Netz und wer schon einmal auf der Autobahn irgendwo zwischen zwei Orten versucht hat eine Internetseite mit seinem Smartphone aufzurufen, weiß was ich meine. Je dichter eine Region besiedelt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf gutes Internet im Bus. Das ist übrigens auch in den USA so. Als ich im November 2012 von New York nach Chicago mit einem der berühmten Greyhoundbusse gefahren bin, hatte ich auch Internet. Allerdings nur in urbanen Gebieten. Auf den Landstraßen im mittleren Westen ist die Netzabdeckung auch nicht gerade berauschend.



Sitzplätze


Etwas negativ aufgestoßen ist mir die fehlende Sitzplatzreservierung. An sich kein Problem, man setzt sich eben irgendwo hin. Allerdings kann das zu merkwürdigen Ergebnissen führen. In Alsfeld gibt es eine etwa 45minütige Pause für die Busfahrer auf der Raststätte Pfefferhöhe. Hier mussten alle den Bus verlassen. Allerdings sind hier auch Leute aus- und zugestiegen. Die zugestiegenen Gäste haben sich einfach irgendwo hingesetzt und wollten auch zusammen sitzen bleiben. Das führte dazu, dass andere Leute sich plötzlich einen neuen Platz suchen mussten - unter anderem ich. Grundsätzlich kein Problem für mich, aber das ist so eine Situation, die potentiell für Probleme sorgt. Mit einer festen Sitzplatzvergabe wäre das Problem elegant umschifft worden. Vielleicht ändert sich das ja noch.
Der Bus von innen



Bad Hersfeld


Bad Hersfeld ist der letzte Stopp vor Berlin und scheint für MeinFernbus das zu sein, was Wolfsburg für die Bahn ist: Auf der Hinfahrt hat der Busfahrer die Ausfahrt verpasst und musste einen relativ langen Weg zurück fahren. Das hat dann noch einmal etwa 45 Minuten zusätzlich gedauert. Danach fuhr der Bus ohne große Verzögerungen nach Berlin durch und kam mit etwa einer Stunde Verspätung am Zentralen Omnibusbahnhof an.



Fazit


Die Fernbusse sind eine tolle Alternative zur Bahn – allerdings nicht für jedermann. Die Zielgruppe sind vor allem junge Reisende. Gerade Backpacker oder Leute mit Fernbeziehungen werden die Busse aufgrund ihres unschlagbaren Preises zu schätzen wissen. Für Geschäftsleute oder Menschen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem Ort sein müssen, sind die Busse derzeit nicht zu empfehlen. Einerseits sind sie zu langsam, andererseits sind ihre Ankunftszeiten zu unberechenbar. Letzteres liegt vor allem am sehr dichten Verkehr in Deutschland. So ein Bus steht eben auch im Stau.Dazu kommt die Taktrate. Mein Fernbus fährt täglich zweimal von Frankfurt nach Berlin - die Bahn stündlich.


Auch was den Komfort anbelangt ist die Bahn den Bussen (noch) überlegen. Die sitze sind etwas breiter und bequemer, man kann herum laufen und schneller ist sie auch – aber auch deutlich teurer. Mich hat die ganze Fahrt, hin und zurück, inklusive der Bahnfahrten von und nach Darmstadt (mit Bahncard 25) 67,20 Euro gekostet. Der Normalpreis der Bahn mit Bahncard 25 beträgt 190,50 Euro. Vom Preis/Leistungs-Verhältnis schlagen die Busse die Bahn meines Erachtens um Längen. Interessanterweise schlägt der Bus sogar die Mitfahrzentralen - zumindest auf langen Strecken. Eine Fahrt Mannheim - Berlin kostet da etwa 25 - 40 Euro.



Es wird interessant sein zu sehen, wie die Fernbusse den Reisemarkt aufmischen. Hier ist noch viel Potenzial vorhanden. Denkbar sind zum Beispiel Luxus- oder Nachtbusse. Die Bahn muss sich nun auf jeden Fall gegen eine starke Konkurrenz behaupten. Die Gewinner sind am Schluss auf jeden Fall die Reisenden.



Wer übrigens Fragen an MeinFernbus hat, kann sehr leicht per Facebook oder Twitter Fragen stellen. Vor allem per Twitter bekommt man sehr nette Antworten.





Weitere Busunternehmen sind übrigens Flixbus, City2City oder DeinBus.

Gute Fahrt!

Mittwoch, 17. April 2013

Weltreisestatistiken

Wenn man so eine lange Reise unternimmt, kann man auch sehr viele Statistiken sammeln. Das ist auch ein sehr beliebter Sport in Reiseforen. Dort gibt es die wahnwitzigsten Statistiken. Eine der umfangreichsten Statistiken zu einer Weltreise gibt es hier. 

Unsere Statistik fällt ein wenig übersichtlicher aus, aber ein paar interessante Daten sind auf jeden Fall dabei. Außerdem kann man sich da einen ganz guten Überblick verschaffen, was eine Langzeitreise so ausmacht. Über die Finanzen habe ich ja bereits in diesem Blogpost genau berichtet. Hier also die restlichen Zahlen:






Transport

Zurückgelegte Kilometer in der Luft: 64.017 km
Zurückgelegte Kilometer an Land: ca. 35.500 km
Zurückgelegte Kilometer auf dem Wasser: ca. 400 km

Folgende Transportmittel wurden benutzt: 
Flugzeug, Taxi, Fahrstuhl, Bus, Fähre, Motor-Roller, Taxi-Boot, Metro, Fahrrad, Zug, Ausflugsboot, Straßenbahn, Angel's Flight, Motor-Rikshah, Auto, Fahrrad-Rikshah, Seilbahn, beide Füße und Rolltreppen

Beste Airline: New Zealand Airlines kurz vor Thai Airways
Schlechteste Airline: United Airlines

Längste durchgehende Busfahrt: 21 Stunden von Lima nach Cusco in Peru
Längste durchgehende Bahnfahrt: 27 Stunden (inkl. 45 Minuten Verspätung) von Chengdu nach Guilin in Südchina.
Längster Flug: Buenos Aires – München (eigentlich Frankfurt, aber wir wurden umgeleitet) insgesamt 14 Stunden (inkl. Verspätung wegen der Umleitung)

Übernachtung

Anzahl der Tage im Ausland: 335

Anzahl Nächte in Transportmitteln (Bussen, Bahnen etc.): 30
Anzahl Nächte in Hostels: 222
Anzahl Nächte Couchsurfing: 63
Anzahl Nächte im Zelt: 6
Anzahl Nächte im Auto: 11
Anzahl Nächte auf Flughäfen: 3

Teuerstes Hostel: Boston mit 40$ pro Nacht und Person in einem 8er-Mehrbettzimmer

Orte

Besuchte Länder: 11
Anzahl der Zeitzonen: 14


Höchster bereister Punkt: Cusco, Peru mit 3416 m über NN. Allerdings sind wir bei der Anreise nach Macchu Pichu über einen Pass gefahren, der sogar über 4000 m lag. Aber wir sind eben nur vorbei gefahren.

Niedrigster bereister Punkt: Death Valley, ca. 10m unter NN

heißester Ort: Death Valley mit 52° Celsius
kältester Ort: New York mit 0° Celsius Tageshöchstemperatur
windigster Ort: eigentlich Ushuaia auf Feuerland in Argentinien, aber wir waren während des Wirbelsturms „Sandy“ in New York. Da war es deutlich windiger.

Gesundheit und Hygiene

Längste Anzahl an Tagen ohne Dusche: 5

Anzahl an Arzt- oder Krankenhausbesuchen: 3 (1x Marco in Shanghai, jeweils 1x Claudia in Sydney und in Auckland), aber keine Sorge, es war jeweils nur zur Absicherung.

Selbstverständlich hatten wir auch immer wieder mit Reisedurchfall zu kämpfen. Dazu kommen noch einige Tage, in denen wir Schnupfen hatten bzw. irgendwie erkältet waren. Insgesamt ging es uns aber gut.

Equipment

Anzahl geschossener Fotos: 13.212
Anzahl aufgenommener Videos: 92

Gewicht Gepäck Marco: 18kg
Gewicht Gepäck Claudia: 15kg

Kein Hemd, keine Hose oder Schuhe mussten irgendwie ersetzt werden. Unser Equipment hat top durchgehalten. Das hätten wir selbst nicht gedacht!



Mittwoch, 10. April 2013

Was kostet eine Weltreise?


Die Frage, was eine Reise um die Welt kostet, ist eine DER zentralen Fragen, die uns schon seit der frühen Planungsphase begleitet hat. Obwohl kaum einer die Frage aus dem Stegreif beantworten kann, hält sie (fast) jeden davon ab, eine solche Reise zu unternehmen. Wir haben nun bekanntermaßen eine solche Reise unternommen und haben auch sehr genau Buch über unsere Ausgaben geführt. Damit sich jeder ein Bild machen kann, was man für eine solche Reise ausgibt und weil Transparenz ja jetzt gerade „in“ ist, haben wir uns entschlossen unsere Kosten bis auf Heller und Pfennig (bzw. Cent und Euro) offen zu legen.

Kleine Anmerkungen

Bevor ich aber die Zahlen in die Welt hinaus posaune möchte ich ein paar Anmerkungen dazu machen, denn unsere Reise ist keinesfalls mit einem „normalen“ Urlaub vergleichbar:

1. Wie ich schon an dieser Stelle und auch an dieser berichtet habe, haben wir auf recht einfachem Niveau gelebt und haben auch nicht jeden Tag massenhaft Geld ausgegeben, wie man das vielleicht in einem „normalen“ Urlaub tun würde. Einige Tage gingen komplett für Planung und Recherche drauf.

2. Wir haben sehr oft – vor allem in den USA – privat übernachtet. Organisiert haben wir diese Übernachtung über Couchsurfing. Das hatte neben dem netten Effekt, dass wir nichts für die Unterkunft bezahlen mussten, auch den Vorteil mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Dadurch haben sich ein paar tolle Freundschaften entwickelt, die hoffentlich auch in Zukunft Bestand haben werden.

3. Wir haben nichts gekauft. Also – natürlich haben wir Dinge auf der Weltreise gekauft, aber fast ausschließlich Lebensmittel. Wir konnten ja nun schlecht in jedem Land Andenken mitbringen. Die hätten wir entweder um die Welt schleppen oder nach Hause schicken müssen. Leider ist das Schicken sehr teuer und kostet ab 20 Euro aufwärts je nach Größe und Gewicht. Von daher haben wir davon nur zwei mal auf der gesamten Reise Gebrauch gemacht.

4. Wir haben kaum irgendwelche „Touren“ gemacht. Wenn wir zu einer Sehenswürdigkeit gefahren sind, haben wir versucht so oft wie möglich den gewöhnlichen öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Das ging auch – bis auf wenige Ausnahmen – sehr gut.

Die Zahlen

Nun aber zu den nackten und ungeschönten Zahlen. Zunächst der durchschnittliche Verbrauch pro Tag für ZWEI Personen aufgeschlüsselt pro Land.



Man muss dazu allerdings auch beachten, dass wir in den Ländern sehr unterschiedlich lang gewesen sind. In Australien waren wir beispielsweise nur etwa zweieinhalb Wochen und sind kaum herum gereist. Es war einfach zu teuer. In Brasilien sind wir viel gereist und dort ist vor allem das Bus fahren teuer. Lebensmittel sind recht günstig – sogar in Rio de Janeiro.

Gesamtübersicht

Gesamtausgaben pro Land für 2 Personen

Dazu kommen 10.198,00 € für die beiden Round-the-World-Tickets der Star Alliance, die alle Flüge enthielten, und 3.818,59 € für diverse Besorgungen im Vorfeld der Reise. Darunter fallen Teile unseres Equipments, die ganzen Impfungen und die Reisekrankenversicherungen. Summa summarum macht das alles zusammen nach Adam Riese und Eva Zwerg sagenhafte

32.945,32 €

Ich denke, der Betrag fällt deutlich geringer aus, als die meisten erwartet haben. Man muss dazu sagen, dass wir auch durchaus noch weniger hätten ausgeben können. Allerdings gibt es dann auch irgendwann eine Grenze, an der es einfach keinen Spaß mehr macht. Man will ja doch mal ein Bier trinken oder ein Eis essen. Nach oben ist die Skala natürlich offen. Mehr ausgeben geht immer. 
Wenn man ganz streng ist, kommen noch etwa 500 Euro drauf, für die Zeit in Deutschland, die schon zu unserer beruflichen Auszeit zählen, in der wir aber noch nicht gereist sind. Es gibt auch noch ein paar Versicherungen in Deutschland (z.B. Berufsunfähigkeit), die weiter liefen und bezahlt werden mussten. Da diese Dinge aber sehr individuell sind, haben wir sie nicht mit in die Statistik aufgenommen. Die knapp 33.000 Euro sind also der Wert, den wir für unseren Auslandsaufenthalt benötigt haben.

Ich freue mich sehr auf eure Reaktionen. Habt ihr mit diesem Betrag gerechnet? Kommt euch das zu viel oder zu wenig vor? Sagt mir eure Meinung!


Dienstag, 2. April 2013

Heimkehr



Seit dem 12. März sind wir wieder in Deutschland, aber erst am 31.03. (also Ostersonntag) sind wir in Weinheim - unserem Wohnort – angekommen. Grund für diese „Verspätung“ war eine kleine Rundreise durch Deutschland, bei der wir ein paar Freunde und natürlich unsere Familien besucht haben. Rundreise deshalb, weil unsere Familien in Berlin und dem Rheinland verstreut sind.




Ankunft in Weinheim

In Weinheim angekommen haben wir eine Wohnungsübergabe mit unserem Untermieter gemacht, der nun nach Mannheim zieht. Das ging alles recht problemlos. Nur um einen kleinen Schaden an einem Zulaufschlauch zur Spüle müssen wir uns kümmern. Das ist aber Sache unseres Vermieters.
Wir waren jedenfalls heilfroh – endlich – zu Hause zu sein. Für uns endete die Weltreise also tatsächlich erst am 31.03.2013, denn erst dann waren wir wieder in unserer Wohnung. Da wir die Wohnung am 30.03.2012 übergeben hatten, sind wir – wenn man von Haustür zu Haustür rechnet – exakt 366 Tage unterwegs gewesen. Davon aber natürlich vier Wochen in Deutschland.

Wie geht es weiter?

Unser komplettes Gepäck bei der Heimfahrt
Die Fragen, die sich nun viele stellen, sind „Wie geht es nun weiter?“ oder „Wann gibt es endlich alle Bilder zu sehen?“. Zunächst einmal müssen wir uns hier in Deutschland wieder einrichten. Zwar ist unsere Wohnung kein Problem, denn wir haben sie möbliert vermietet und wir mussten nur unsere Klamotten rein legen, aber es gibt ja noch viel zu regeln (z.B. mein „Lieblingsthema“ Versicherungen) und natürlich müssen wir uns uns auch erst mal wieder ein leben.

Auf jeden Fall wird dieser Blog nicht geschlossen werden. Es handelt sich ja nicht um einen reinen Weltreise- sondern um einen mittlerweile ausgewachsenen Reiseblog. Und da Claudia und ich auch in Zukunft reisen werden – zum Teil auch einfach nur durch Deutschland – wird es hier sicherlich noch viele tolle Berichte zu lesen geben.

In Bezug auf die Weltreise müssen jetzt erst mal die über 13.000 (!) Bilder auf einem ordentlich großen Bildschirm gesichtet werden. Daraus werden dann mehrere Präsentationen gebastelt, die sich dann alle Freunde und Verwandte angucken müssen – ob sie wollen oder nicht.

Demnächst werden wir auch auf jeden Fall noch Statistiken zur Weltreise und eine Kostenaufstellung veröffentlichen. Seid gespannt! 


Montag, 4. Februar 2013

Endspurt



300 Tage ist es nun her, dass wir von Deutschland aus nach Indien aufgebrochen sind. Seit 300 Tagen tingeln wir um die Welt, erleben tolle Geschichten und besuchen Orte, von denen andere vielleicht nur träumen können. Wir befinden uns auf DER Reise unseres Lebens. Allerdings hat man selbst bei der längsten Reise irgendwann den letzten Flug gebucht, den letzten Bus betreten und das letzte Ziel erreicht.
Seit Anfang Januar erreichen uns verstärkt Emails mit Texten wie „ist ja nicht mehr lang“ oder „bald seid ihr ja wieder da“. Und das obwohl wir noch eineinhalb Monate vor uns haben. Wir haben schon überlegt in Zukunft allen unseren Freunden und Verwandten eineinhalb Monate vor ihrer Rückkehr aus dem Urlaub eine Email mit einem ähnlichen Text zu schicken. In geschätzten 99,98% der Fälle dürfte die Email somit noch vor Antritt der Reise den Empfänger erreichen. Aber natürlich freuen wir uns, dass wir in Deutschland freudig erwartet werden.

Reisemüdigkeit

Gelegentlich sind wir gefragt worden, ob wir eigentlich „Reisemüde“ sind. Da stellte sich mir die Frage, was denn eigentlich Reisemüdigkeit ist. Man hat immer irgendwie eine Vorstellung davon im Kopf, dass einem die Lust am Reisen vergeht, aber auch da stellt sich die Frage, warum eigentlich?
Ich kann für mich behaupten, dass sich eine gewisse Reisemüdigkeit eingestellt hat. Diese äußert sich vor allem in einer deutlich geringeren Motivation neue Dinge zu sehen. Diese Motivationslosigkeit entsteht dadurch, dass mich Neues kaum noch überrascht oder erstaunt. Besonders aufgefallen ist mir das in Brasilien. Ich habe dieses Land als nicht sehr anders oder neu empfunden. Als wir uns dann aber mit einer Brasilianerin unterhielten, die eine Weile in Europa gelebt hat und unter anderem auch Deutschland kennt, erklärte sie uns Deutschland sei „totaaaaal anders“ als Brasilien. Wie kommt es zu so einem krassen Unterschied der Auffassungen? Ganz einfach: Wenn man von Deutschland nach Rio de Janeiro fliegt (oder umgekehrt), wird einem schlagartig eine völlig andere Kultur vorgesetzt. Reist man aber wie wir monatelang und erwartet jedes mal etwas völlig Neues und ist zuvor in Nachbarländern gewesen, kommt einem Brasilien gar nicht so anders vor.

Dazu kommt, dass man sehr viel vergleicht. Berge? Sind in Peru schöner und höher! Meer? War in Mexiko noch blauer und toller! Strand? War in Thailand mindestens genauso schön! Und so weiter. Es muss schon eine Weltsensation wie Machu Picchu kommen, dass man plötzlich doch wieder extrem fasziniert ist. Aber Orte von der Qualität von Machu Picchu gibt es nur sehr wenige auf der Welt.

Würden wir aber an all die Orte, die wir jetzt als eher „durchschnittlich“ ansehen direkt aus Deutschland fliegen, wären wir vermutlich jedes mal total beeindruckt und begeistert. Begeisterung ist eben doch etwas sehr individuelles.

Vorbereitung auf die Rückreise

Auch wenn wir noch einiges an Zeit und Zielen vor uns haben, bereiten wir uns schon gedanklich auf Deutschland und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft vor. Derzeit sind das aber eher organisatorische Dinge, die wir da diskutieren. Fakt ist, dass wir am 11. März in Buenos Aires in den Flieger nach Frankfurt steigen und am 12. März dort ankommen werden. Danach geht es zunächst mit dem Zug weiter nach Berlin, danach nach NRW - Familie und Freunde besuchen.

Ein letztes Highlight

Aber auch wenn wir gelegentlich an zu Hause denken, sind wir emotional doch noch ein Stück weit weg davon, denn für den Abschluss unserer Reise haben wir uns noch ein ganz besonderes Highlight aufgehoben, auf das wir uns sehr freuen. Wir werden die südlichsten Orte auf diesem Planeten besuchen: Ushuaia und vielleicht auch Puerto Williams auf Feuerland.

Wegen der riesigen Entfernung (von Buenos Aires ca. 3000km) werden wir die Reise nur in einer Richtung auf dem Landweg bestreiten – und zwar den Hinweg. Immerhin wollen wir ja auch sehen, was zwischen Buenos Aires und Feuerland liegt, auch wenn wir uns da wohl nur einen kleinen Eindruck verschaffen können werden. Zurück werden wir fliegen. Das geht innerhalb von Argentinien zum Glück recht einfach und ist sogar preiswerter als der Landweg.
Sollten wir Ende Februar/Anfang März in Buenos Aires noch Zeit, Lust und Geld haben, werden wir vielleicht noch einen kurzen Abstecher nach Uruguay machen, aber sicher ist das derzeit nicht.

Kleine Statistik

Zum Schluss wie immer noch die "kleine Statistik" in aktualisierter Form für die Statistik-Fans:

Zurückgelegte Kilometer in der Luft: 50334 km
Zurückgelegte Kilometer an Land: ca. 28212 km (ohne Argentinien)
Zurückgelegte Kilometer auf dem Wasser: ca. 350 km

Besuchte Länder: 10
Anzahl der Zeitzonen: 14

Folgende Transportmittel wurden bisher benutzt: Flugzeug, Taxi, Fahrstuhl, Bus, Fähre, Motor-Roller, Taxi-Boot, Metro, Fahrrad, Zug, Straßenbahn, Angel's Flight, Motor-Rikshah, Auto, Fahrrad-Rikshah, Seilbahn, beide Füße und Rolltreppen





Dienstag, 25. September 2012

Halbzeit


Manche nennen es Halbzeit, für andere ist es ein Bergfest und wieder andere sind der Ansicht, dass man gerade mal die Hälfte hinter sich hat. Wie man es letztlich aber auch formulieren möchte, eines ist klar: Es sind gut fünfeinhalb Monate vergangen und es stehen uns noch weitere fünfeinhalb Monate bevor. Wie beim 100-Tage-Resümee möchte ich die Gelegenheit nutzen und ein paar Einblicke in unser tägliches Reiseleben geben.

Suche nach Unterkunft

Wenn man so reist wie wir, muss man sich ständig überlegen, wo man die nächste Nacht verbringt. Natürlich bleibt man nicht immer nur eine Nacht an einem bestimmten Ort, aber es gibt doch öfter einen Ortswechsel, als das bei den „normalen“ Urlaubern so der Fall ist. Wir benötigen für unsere Suche nach einer Unterkunft fast immer das Internet. Hier kann man sowohl Hostels als auch Hotels recherchieren, aber man kann auch Campingplätze, Rastplätze oder eben Couchsurfing-Gastgeber finden. Da wir in den USA sehr viel über Couchsurfing machen, haben wir uns ein regionales Smartphone zugelegt. Die Couchsurfing-App erspart uns viel Rennerei zu irgendwelchen Orten, wo es kostenloses WLAN gibt. Außerdem kann man die Google-Maps-App auch zum Navigieren – also wie ein Navi - verwenden. In den USA haben wir uns ein billiges Zelt gekauft und viel gecampt oder oft auch direkt im Auto geschlafen. Das geht auf den riesigen Parkplätzen in diesem Land ganz wunderbar.

Essen und trinken

typisches Essen in China
Essen und trinken sind für gewöhnlich kein Problem. Da wir durch kein Land reisen, was wirklich unterentwickelt ist, gibt es überall Essen in Hülle und Fülle. Vor allem in Asien ist das auch sehr günstig. Für gewöhnlich tun wir das, was wir auch zu Hause tun würden, wenn wir Essen brauchen: wir kaufen uns was im Supermarkt. Natürlich ist die Produktpalette von Land zu Land unterschiedlich. Was es nirgendwo auf der Welt gibt ist vernünftiges Brot. Das ist ja schon in Europa schwierig. Oder hat einer von euch schon einmal ein Grau- oder Schwarzbrot in Spanien gekauft? Grundsätzlich gilt: Möglichst viel regionale Produkte kaufen. Das ist günstiger und wenn man ehrlich ist, reist man ja auch nicht um die Welt, um überall das Gleiche zu essen.
Je nachdem, wo wir übernachten, können wir dann auch kochen oder machen uns eben eine einfache Mahlzeit. Sind wir bei Couchsurfern untergebracht, werden wir manchmal auch zum Essen eingeladen oder man kocht gemeinsam was. Essen oder trinken ist eigentlich nie ein Problem gewesen. Man bekommt zwar nicht immer ein 3-Gänge-Menü eines Sternekochs, aber man wird satt. Sollte einem die regionale Küche gar nicht zusagen, gibt es immer noch McDonald's.

Wasser

Wasser stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Dachten wir. Grundsätzlich gilt: Nirgendwo ist das Wasser aus der Leitung so gut wie in Deutschland. Ausnahmslos. Aber natürlich gibt es auch Länder, wo man das Wasser aus der Leitung gefahrlos trinken kann. Australien, Neuseeland und die USA sind da problemlos. Allerdings ist das Wasser dort gechlort und schmeckt daher weniger gut. Insgesamt ist Wasser aber unproblematisch. In Ländern, wo man Wasser aus der Leitung nur zum Waschen nutzen sollte, kann man es an jeder Ecke günstig kaufen. Manchmal gibt es sogar spezielle kostenlose Trinkbrunnen, an denen man das Wasser auffüllen kann. Nur als wir durch die Wüstengegenden in den USA gefahren sind, haben wir uns größere Mengen an Wasser in einem Supermarkt geholt. Vorsichtshalber.

Waschen

Waschsalon in den USA
Man mag es kaum glauben, aber Waschen ist absolut problemlos. Das liegt vor allem daran, dass es nur in Deutschland üblich zu sein scheint, eine Waschmaschine zu Hause zu besitzen. In vielen Ländern ist das nicht zwingend so. Zu meiner großen Überraschung auch nicht unbedingt in den USA! Dort haben zwar viele eine Waschmaschine, aber eben bei weitem nicht jeder. Deshalb gibt es in den USA immer noch sehr viele öffentliche Waschsalons, wo man für ein paar Dollar seine Wäsche waschen und anschließend auch gleich in den Trockner geben kann. In Asien und Südamerika gibt es überall Wäschereien, wo man – anders als in Deutschland – nicht nur seine Anzüge reinigen lassen kann, sondern auch seine Unterhosen und T-Shirts. Dazu kommt, dass alle internationalen Hostels fast ausnahmslos einen Wäscheservice besitzen, der in der Regel allerdings ein wenig teurer ist, als wenn man direkt zu einer lokalen Wäscherei geht. Kein Backpacker muss also dreckig und stinkend durch die Gegend laufen.

Routenänderungen

Ich hatte es in einem früheren Blogeintrag schon ein einmal angedeutet: Wir haben die Route ein wenig geändert. Genauer gesagt die Aufenthaltszeiträume. An den Orten an sich hat sich nichts geändert. Die Anpassung der Aufenthaltszeiten wurde notwendig, da wir ja – wie bereits berichtet – Australien massiv gekürzt hatten. Die nun zusätzliche Zeit haben wir vor allem auf Mexiko drauf geschlagen, aber auch die USA und Peru haben ein wenig was abbekommen. Die genauen Reisedaten findet ihr in diesem Beitrag. Diese können sich aber natürlich auch wieder ändern. Flexibilität ist alles!

Prominente Begleitung

Das haekelschwein und die Möwe
Einige haben es vielleicht schon im Blog unter den FAQ gesehen: Wir haben zwei kleine Maskottchen dabei. Diese haben inzwischen in Deutschland eine kleine Fangemeinde und deshalb stelle ich sie an dieser Stelle einmal offiziell im Blog vor. Es handelt sich dabei um das haekelschwein (das ist korrekt so geschrieben, denn es ist ein Eigenname!) und die Möwe. Das haekelschwein ist eigentlich ein Twitterer aus Niedersachsen, der unter seinem Twitternamen @haekelschwein allerhand lustige Sachen von sich gibt. Dazu kommt, dass man das kleine Schweinchen über seine Homepage käuflich erwerben kann. Das haben sehr viele Twitterer getan und positionieren das kleine Schweinchen in diverse Szenerien, um es zu fotografieren. Diese Fotos werden dann auf Twitter zusammen mit einem kleinen Spruch veröffentlicht. Wir haben nun zusätzlich noch die Möwe, die Claudia mal irgendwo zufällig entdeckt hat, und die dem kleinen Schwein nun Gesellschaft leistet. Gemeinsam tingeln sie mit uns um die Welt und erleben ihre eigenen kleinen Abenteuer. Alle bisher von uns veröffentlichten Fotos mit haekelschwein und Möwe findet ihr übrigens in der haekelschwein-Galerie. Wichtig ist aber immer der Spruch zu dem Bild! Er enthält in der Regel die Pointe zu einer kleinen Geschichte.
Die kleinen haekelschweine werden übrigens von der Oma des besagten Twitterers handgefertigt. Sie ist 97 Jahre alt. Möge sie noch viele Schweine häkeln!


Kleine Statistik

Zum Schluss noch die "kleine Statistik" in aktualisierter Form für die Statistik-Fans:
Zurückgelegte Kilometer in der Luft: 27362 km
Zurückgelegte Kilometer an Land: ca. 16900 km
Zurückgelegte Kilometer auf dem Wasser: ca. 350 km
Besuchte Länder: 7
Anzahl der Zeitzonen: 9
Folgende Transportmittel wurden bisher benutzt: Flugzeug, Taxi, Bus, Fähre, Motor-Roller, Taxi-Boot, Metro, Zug, Straßenbahn, Angel's Flight, Motor-Rikshah, Auto, Fahrrad-Rikshah, Seilbahn, beide Füße und Rolltreppen


Und das wichtigste zum Schluss: Wir sind gesund und freuen uns auf die zweite Hälfte!


Freitag, 20. Juli 2012

100 Tage Weltreise – Eine Zwischenbilanz

Zwei typische Backpacker
Seit heute sind Claudia und ich seit 100 Tagen auf Weltreise. Zeit für ein kleines Zwischenfazit. Zunächst einmal das wichtigste: Es geht uns sehr gut und wir haben immer noch verdammt viel Spaß am Reisen.

Wir haben bisher sehr viel gesehen und sehr viel erlebt. Inzwischen lernen wir auch immer öfter Leute kennen, darunter viele Einheimische. Zu Beginn in Indien haben wir kaum jemanden kennen gelernt, was vor allem daran lag, dass in Indien Nebensaison war und wir manchmal die einzigen Gäste waren.
Wir haben verschiedene klimatische Zonen erlebt. Von wüstenartigen Gebieten in Indien, über tropisches Klima in Thailand bis hin zu kühlem Wetter in 1000 Meter Höhe im australischen Winter. Derzeit sind wir in Neuseeland, wo ebenfalls Winter herrscht. Da wir uns aber ausschließlich auf der Nordinsel aufhalten werden, ist es nicht zu kalt, denn die Nordinsel hat subtropisches Klima. Hier ist es täglich so zwischen 12 und 20 Grad warm und in der Nacht so zwischen 5 und 10 Grad. Kühl, aber eben kein Winter wie auf der Südinsel, wo zu großen Teilen Schnee liegt.

Alltag beim Reisen

Das typische Chaos in einer Sammelunterkunft
Da viele Leser dieses Blogs vermutlich glauben, dass wir den ganzen Tag am Strand sitzen, uns Weltwunder anschauen oder Bier trinken und Party machen, möchte ich hier mal einen kurzen Einblick in unser tägliches Reiseleben geben.
Wenn man reist wie wir es tun, hat man unweigerlich ein Problem: Man hat höchstens zwei bis drei Tage im voraus geplant. Anders als bei Pauschalreisen, wo bereits für den gesamten Reisezeitraum zumindest eine Unterkunft besteht, haben wir in der Regel immer nur zwei bis drei Nächte an einem Ort gebucht. Der Vorteil: absolute Flexibilität. Hat man keine Lust mehr auf den Ort, zieht man weiter. Gefällt es einem dort, bleibt man noch ein paar Tage länger. Allerdings hat diese Flexibilität auch einen Preis: Mindestens 50% der Zeit geht für Planung drauf. Oftmals sitzen wir einfach am PC und wühlen im Internet. Neben der Frage, wo man als nächstes hinfahren möchte, müssen auch so Kleinigkeiten wie Transportmöglichkeiten (Bus, Bahn, Auto etc.), Unterkünfte und Preise recherchiert und verglichen werden. Dazu kommt, dass wir seit Australien in den Hostels selber kochen. Also muss man ab und an auch mal einkaufen gehen, kochen und hinterher wieder abwaschen. Wenn wir den Ort wechseln, brauchen wir dafür in der Regel einen ganzen Tag. Wir müssen morgens unsere Sachen zusammen packen, auschecken, zum Bus (oder Bahnhof, oder Flughafen) laufen, um dann Stunden später am Zielort anzukommen. Dort wieder einchecken, Sachen auspacken und so weiter.
Im Durchschnitt haben wir alle drei Tage einen Tag, an dem wir dann tatsächlich einfach nur an einem Ort sind, um zum Beispiel Sehenswürdigkeiten zu besuchen oder die Natur zu genießen. Manchmal muss man dazu aber auch lokale Transporte wie Busse oder Taxis benutzen. Diese Tage sind dann die eigentlichen Highlights dieser Reise. Sie sind der Grund, warum man die Strapazen von Interkontinentalflügen oder Nachtbusfahrten auf sich nimmt. Sie sind das, was man hinterher seinen Freunden und Verwandten auf Fotos präsentiert, um Staunen auf den Gesichtern zu erzeugen. Diese Tage entschädigen für alles!

Urlaub vom Reisen

Da diese Form von Reisen auf Dauer sehr anstrengend ist, bauen wir immer wieder Erholungsphasen ein. Mal bleiben wir zwei bis drei Tage länger irgendwo, um ausschlafen zu können (Sehr wichtig, da wir ja auch regelmäßig in andere Zeitzonen fliegen!) und die jeweilige Atmosphäre zu genießen. Zum anderen haben wir bereits in Deutschland ganz bewusst „Urlaubsphasen“ eingebaut. Die erste Urlaubsphase war Thailand, wo wir auf der Tropeninsel Ko Phangnan ordentlich ausgespannt haben. Die nächste Urlaubsphase steht kurz bevor: Hawaii.

Kleine Statistik

Um den Umfang unserer bisherigen Reise ein wenig zu umreißen hier ein paar kleine Zahlen für die Statistik-Fans:

Zurückgelegte Kilometer in der Luft: 22235 km
Zurückgelegte Kilometer an Land: ca. 10300 km
Zurückgelegte Kilometer auf dem Wasser: ca. 350 km

Besuchte Länder: 6
Anzahl der Zeitzonen: 6

Folgende Transportmittel wurden bisher benutzt: Flugzeug, Taxi, Bus, Fähre, Motor-Roller, Taxi-Boot, Metro, Zug, Straßenbahn, Motor-Rikshah, Auto, Fahrrad-Rikshah, Seilbahn, beide Füße und Rolltreppen


Und die Reise ist noch lange nicht zu Ende!

Samstag, 31. März 2012

Tschüss Weinheim

Es ist geschafft! Wir haben die Wohnung an unseren Untermieter übergeben und sind inzwischen in Neuss angekommen. Völlig kaputt aber glücklich werden wir hier noch ein paar Tage verbringen, letzte organisatorische Tätigkeiten vornehmen und dann geht es nach Ostern los.

Die Wohnung zu übergeben war dann wie erwartet sehr stressig. An sich mussten wir zwar nur unsere privaten Dinge einpacken und in den Keller stellen, denn die Möbel und weiteren Einrichtungsgegenstände sind ja in der Wohnung verblieben. Es ist allerdings erstaunlich, was für Krempel sich da immer ansammelt und es ist erstaunlich, wie anstrengend drei Stockwerke Treppen sein können, wenn man erst mal diverse Kisten hoch und wieder herunter schleppen muss. Kurz vor der Übergabe am Freitag, den 30.03.2012 war es dann aber geschafft: Alle Kisten waren im Keller, die Wohnung blitzeblank geputzt und die Übergabe verlief erfolgreich. Unser kleiner Kellerraum von ca. 3x3m ist dabei bis zum Rand mit Kisten voll gestopft.

Die Fahrt nach Neuss

Der bis zur Decke voll gestopfte Keller
Die Fahrt nach Neuss war erstaunlicherweise sehr entspannend und wenig stressig. Wir hatten zwar jeder einen Rucksack, eine Reisetasche und eine normale Umhängetasche dabei, aber dadurch dass unser Untermieter uns direkt nach Mannheim gefahren hat und wir in Neuss vom Bahnhof abgeholt wurden, mussten wir deutlich weniger schleppen als erwartet. Lediglich die Bahn hat mal wieder negativ auf sich aufmerksam gemacht. Ich habe zwei Tickets für die 2. Klasse in einem IC gebucht und zwei Sitzplatzreservierungen, da freitags die Bahnen ja immer sehr voll sind. Dummerweise hat der Servicemitarbeiter der Bahn uns zwar ein Ticket für die 2. Klasse verkauft, die Sitzplatzreservierung war aber für die 1. Klasse. Zum Glück habe ich das rechtzeitig gemerkt, musste mich aber noch einmal an die überfüllte Schlange im Servicecenter der Bahn anstellen. Natürlich war eine Sitzplatzreservierung nicht mehr möglich, von daher haben wir die acht Euro erstattet bekommen. Immerhin. Der Zug selber war zwar gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Wir hatten gemütliche Sitzplätze und einen tollen Blick auf den Rhein.

Abends sind wir dann müde aber glücklich ins Bett gefallen. Die nächsten 10 Tage wird Neuss unser zu Hause sein. Am 9.4. geht es dann nach München und am 11.4. startet die eigentliche Reise in Richtung Indien. Wir sind voller Vorfreude!

Mittwoch, 28. März 2012

Impfungen

Gestern hatten wir den letzten Impftermin. Zum Glück. Die Impfungen sind ein notwendiges Übel und gehören eher zum anstrengenden Teil der Weltreisevorbereitungen.

Insgesamt 15 (!) Spritzen habe ich seit März 2011 erhalten. Claudia sogar noch ein wenig mehr. Mal abgesehen davon, dass wir einen großen Teil der Impfungen aus eigener Tasche bezahlen mussten, ist der organisatorische Aufwand nicht zu vernachlässigen. Nicht jede Impfung kann man beim Hausarzt machen. Für Gelbfieber muss der Arzt beispielsweise eine offizielle Gelbfieberimpfstelle sein. Dazu kommt, dass man bestimmte Fristen einhalten muss, wann welche Spritze gesetzt werden darf.
Bevor man sich überhaupt gegen tropische Krankheiten impfen lässt, sollte man sich eingehend beraten lassen. Dafür sind Tropenärzte oder die tropischen Institute einiger Universitäten hervorragend geeignet. Wir waren dafür im Tropeninstitut Heidelberg. Die Beratung und Impfung sort ist gut, allerdings ist die Organisation im Wartezimmer eher mittelmäßig und man muss zum Teil sehr lange warten.

Wir sind nun gegen Gelbfieber, japanische Enzephalitis, Tollwut, Typhus und Hepatitis A + B geimpft. Claudia hat zusätzlich noch FSME und ich habe eine komplette Neuimunisierung von Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis (alle drei gibt es als Kombi-Impfstoff) durchführen lassen, weil ich mein altes Impfbuch leider verloren hatte. Sicher ist sicher.

Dadurch dass wir die einzelnen Impfungen ein wenig verteilen konnten und nicht alle auf einmal bzw. kurz hintereinander bekommen haben, war die Verträglichkeit sehr gut. Klar gab es mal einen Abend, an dem man sich schlapp fühlte oder die Einstichstelle ist etwas rot geworden, aber richtig krank wurde niemand. Claudia hatte hin und wieder einen dicken Oberarm nach dem Impfungen. Sie ist aber auch generell etwas empfindlicher und hatte zusätzlich noch ihre Hypersensibilisierung gegen die Hausstaubmilbe zu verkraften.

Gerade die Tollwut-Impfung soll ja so schlimm sein, wie man immer wieder hört. Das war früher mal so, ist heute aber definitiv nicht mehr der Fall. Die Verträglichkeit des Impfstoffs wurde deutlich gesteigert.
Die Gelbfieberimpfung ist aus zwei Gründen wichtig: zum einen um die Krankheit nicht zu bekommen, zum anderen weil einige Länder diese Impfung für eine Einreise voraussetzen.

Wir sind nun froh, dass wir alle Impfungen haben. Die Reise kann beginnen.