Freitag, 15. März 2013

Die Heimreise

Eigentlich hätte alles sehr einfach sein können. Der Direktflug von Buenos Aires nach Frankfurt war lange im Voraus gebucht und Plätze in der Bahn von Frankfurt nach Berlin waren auch reserviert. Da wir aufgrund einer seltsamen Sparpreispolitik der Bahn ein Bahnticket in der 1. Klasse hatten, hätten wir es uns sogar in der Bahnlounge richtig gemütlich machen und jede Menge Kaffee trinken können. Aber es sollte alles dann doch ein wenig anders kommen.

Phase 1 – Der Bus zum Flughafen

Der große internationale Flughafen Ezeiza von Buenos Aires liegt etwas außerhalb. Leider fährt kein Zug dort hin und für gewöhnlich nehmen die Leute Taxis. Da wir aber erst gegen 17.30 Uhr abheben sollten, und wir eh um 10.30 Uhr aus unserem Hostel auschecken mussten, haben wir uns dazu entschlossen einen sehr langsamen aber dafür preiswerten Linienbus zu nehmen. Unserer Recherche nach gibt es zwei Buslinien zum Ezeiza: die Linie 8 und die Linie 51. Da Linie 51 bei uns um die Ecke fuhr, versuchten wir es zunächst dort.
30 Minuten standen wir an der Haltestelle, aber es kam kein Bus. Einmal fuhr ein 51er Bus in der Gegenrichtung ohne Fahrgäste an uns vorbei. „Alles kein Problem!“ dachten wir uns und sind dann in die nahe gelegene U-Bahn gestiegen und zur nicht allzu weit entfernten Station gefahren, an der der 8er Bus fuhr. Da kam gefühlt jede Minute ein Bus. 
Als wir im Bus standen und zahlen wollten sagte der Busfahrer, dass er nur Münzen akzeptiert. Ziemlich dämlich in einem Land, wo man fast alles mit Papiergeld bezahlt. Wir hatten natürlich nur Papiergeld, konnten zum Glück aber an einem kleinen Kiosk wechseln.
Als wir in den nächsten Bus einstiegen sagte man uns, dass dieser Bus aber nicht zum Flughafen fahren würde – obwohl es der 8er Bus war. Es gibt nämlich verschiedene „Unterlinien“ des 8er Busses. In der Innenstadt von Buenos Aires fahren die Busse alle die gleiche Strecke und in den Vorstädten dann teilt es sich auf. Lustigerweise steht aber auf jedem Bus „Aeropuerto“ (also Flughafen) drauf und selbst die Einheimischen, die uns helfen wollten, waren überrascht, dass manche Busse da gar nicht hin fahren. Irgendwann kam dann aber der richtige Bus und nahm uns auch mit, da wir ja Münzen hatten.
Die Fahrt zum Flughafen dauerte dann fast zwei Stunden! Uns war es egal, denn Zeit hatten wir genug und die Fahrt war extrem billig: 5,50 Pesos pro Person. Das sind etwa 90 Eurocent. Ein Taxi hätte zwischen 150 und 200 Pesos (ca. 25 – 30 Euro) gekostet. Der Check-in war dann problemlos und gegen 17.30 Uhr sind wir dann pünktlich los geflogen.

Phase 2 - Frankfurt? Köln? München?

Luftschleifen und Umleitung nach München
13 Stunden dauerte der Flug nach Frankfurt. Es war der insgesamt längste Flug auf unserer Weltreise. Die lustige Airshow zeigt ja immer an, wie lange es noch dauert und wo man sich gerade befindet. Wir hatten noch etwa 7 Minuten bis zur Landung und wir wären absolut pünktlich gewesen. Aber das Flugzeug fing an Warteschleifen zu fliegen. Nach etwa einer halben Stunde meldete sich der Kapitän mit der Information, dass es in Frankfurt Probleme wegen des Wetters geben würde. Sollten wir in den nächsten 30 Minuten nicht landen können, würden wir umgeleitet werden, denn wir hätten nur noch für 30 Minuten Sprit. Der Ausweichflughafen wäre dann Köln. Köln ist für uns ein sehr angenehmer Flughafen, denn Claudias Eltern wohnen nicht weit weg und wenn wir es nicht mehr bis Berlin geschafft hätten, wären wir eben zuerst dort hin gefahren.
Nach etwa 10 Minuten meldete sich der Kapitän und verkündete, dass wir nach München umgeleitet werden. Ausgerechnet München! Irgendwo in NRW wäre super, Hamburg wäre ok, auch Hannover, aber München war für uns weit weg von allem. Ich habe allerdings einen alten Freund in München, der uns sicherlich aufgenommen hätte, wenn es hart auf hart gekommen wäre. Trotzdem: München war doof.

Phase 3 – Wie? Wo? Wann? Und überhaupt?

Kaum gelandet wurde verkündet, dass alle Leute sitzen bleiben sollten, denn der Flieger würde weiter fliegen nach Frankfurt. Man müsse aber zunächst tanken. Da gerade im Flieger nach Frankfurt viele Leute saßen, die Anschlussflüge hatten, gab es auch Leute, die ohnehin nach München mussten. Diese durften dann die Maschine verlassen. Alle anderen bleiben drin. Und warteten. Nach etwa 1,5 Stunden meldete sich der Kapitän und sagte, dass man in Frankfurt immer noch am Räumen war und es noch etwa 20 Minuten dauern würde, bis wir los könnten. Nur etwa eine Minute später kam die Nachricht: Frankfurt bleibt geschlossen – alle aussteigen.
Es wurde also eine Abholung mit Bussen organisiert und wir konnten den Flughafen betreten. Man sagte uns, dass wir unser Gepäck holen sollten und dann zum Lufthansa-Schalter gehen müssen, um ein Bahnticket zu erhalten.
Wir stellten fest, dass am Flughafen München ein ordentliches Chaos herrschte, denn es wurden diverse Flüge umgeleitet. Eine Stunde warteten wir auf unser Gepäck an diesen typischen Rollbändern. Wir hatten schon Angst, dass das Gepäck vielleicht noch in Argentinien wäre oder gerade nach Asien verschifft wurde, aber nach einer Stunde hatten wir es in der Hand.
Als nächstes stellten wir uns an die schier endlose Schlange am Lufthansa-Schalter für umgeleitete Flüge an. Nach einer Weile waren wir dran und erklärten der wirklich sehr netten und engagierten Mitarbeiterin der Lufthansa unser Problem: Wir wollten nach Berlin und unser Ticket von Frankfurt ist verfallen, da wir Zugbindung hatten. Sie holte sich kurz das OK von einer höheren Stelle und fing an uns ein Ticket nach Berlin auszufüllen. Plötzlich fragte sie: „Das ist doch aber kein Lufthansa-Ticket. Wo haben Sie das denn gekauft?“ Ich erklärte ihr, dass dies ein Round-the-World-Ticket der Star Alliance ist und wir das über eine Reiseagentur gekauft haben. Diese wiederum hat es wahrscheinlich bei Air New Zealand gekauft. Die Mitarbeiterin verschwand irgendwo und kam nach etwa 5 Minuten wieder mit der Information, dass sie uns das Ticket bezahlen. Die Lufthansa hat uns also ein Ticket „geschenkt“, was sie nie und nimmer hätten bezahlen müssen. Wir waren heilfroh und glücklich. Wir bekamen einen gelben Zettel mit allen Informationen drauf und die Mitarbeiterin sagte, dass wir mit dem Zettel direkt in die Bahn springen können.

Phase 4 – Die Bahn

Da man vom Flughafen München noch etwa 45 Minuten mit der S-Bahn fahren muss, um zum Hauptbahnhof zu kommen, mussten wir uns beeilen. Es war immerhin schon fast vier Uhr und der letzte ICE nach Berlin würde gegen 18 Uhr fahren und mitten in der Nacht ankommen.
Wir hatten uns einen ICE um 17.16 Uhr ausgesucht, der dann regulär gegen 23.30 Uhr ankommen würde. Gegen 17 Uhr erreichten wir den Hauptbahnhof und kauften erst mal was zu essen. Wir hatten nämlich gegen 9 Uhr Frühstück und danach nichts mehr gegessen. Kurz vor Abfahrt saßen wir dann gemütlich im ICE und freuten uns Berlin doch noch zu erreichen. Irgendwann kam die erste Fahrscheinkontrolle und ich legte diesen gelben Wisch vor. Die Bahnmitarbeiter waren sehr erstaunt und meinten, dass das kein Bahnticket wäre, sondern nur ein Voucher und wir hätten den einlösen müssen. Wir haben erklärt, dass wir eigentlich ein 1. Klasse Bahnticket aus Frankfurt hätten aber nach München umgeleitet wurden etc. Die Bahnmitarbeiter waren wirklich sehr nett und sagten, dass das alles kein Problem sei und wir natürlich sitzen bleiben könnten. Es entstand auch eine lustige Diskussion über Langstreckenflüge und wer schon einmal irgendwo gestrandet war.
Der Zug hatte letztlich etwa 30 Minuten Verspätung un so kamen wir gegen Mitternacht in Berlin-Gesundbrunnen an, wo uns mein Vater dankenswerter weise abgeholt hat, denn wir mussten noch bis nach Heiligensee – ganz im Norden von Berlin, wo mein Schwester ein kleines Häuschen mit einem Gästezimmer hat. Erschöpft aber glücklich sind wir nach insgesamt fast 33 Stunden Anreise ins Bett gefallen.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle den Mitarbeitern der Lufhansa und der Deutschen Bahn, die eben nicht knallhart nach den Regeln sondern für die Fahrgäste gehandelt haben. Sie haben eine Entscheidung aufgrund einer bestimmten Situation getroffen und genau so sollte es auch sein. Ich hoffe, dass beide Unternehmen auch in Zukunft auf so positive Weise von sich reden machen. Vielen Dank!