Sonntag, 22. April 2012

Agra – Get in touch with the Taj

Das Taj Mahal
Agra ist grob gesagt keine sonderlich schöne Stadt. Sie ist laut und dreckig. Der einzige Grund, warum die Leute in Scharen nach Agra pilgern ist das weltberühmte Taj Mahal. Für das Taj Mahal allerdings ist kein Weg zu weit und kein Eintritt zu teuer.

Taj Mahal

Es gibt weltberühmte Sehenswürdigkeiten, die viel versprechen aber wenig halten. Ich bin beispielsweise bis heute sehr enttäuscht von der Freiheitsstatue in New York. Sie ist erstaunlich klein, völlig überlaufen und hat auch irgendwie wenig Flair. Ebenso ist der berühmte Ort Olympia in Griechenland keine Reise wert. Stark zerfallene und kaum erkennbare Häuser und ein völlig unspektakuläres Stadion lassen diesen Ort wenig an ein sportliches Großereignis erinnern. Wir waren sehr gespannt, ob das Taj Mahal das halten würde, was es versprach. Um es kurz zu machen: Die wahre Schönheit und Eleganz des Taj Mahal lässt sich weder in Worte fassen noch auf Bildern fest halten. Es ist einfach atemberaubend. Dieses Gebäude ist vielleicht das schönste, das je von Menschenhand erschaffen wurde. Um seine volle Wirkung zu spüren muss man es einfach gesehen haben.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Keine Fotos von Möwe und Haekelschwein
Wie überall in Indien muss man sich vor dem Betreten des Areals, in dem sich das Taj Mahal befindet, einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Bei Männern sind die Inder besonders pingelig und genau. Vermutlich weil Frauen seltener Waffen bei sich tragen. Auf jeden Fall wurde meine Tasche durchsucht. Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich immer viele Kabel und Elektronikteile mit mir herum schleppe, aber natürlich keinerlei Waffen. Dennoch fanden die Kontrolleure etwas, was ich nicht mit rein nehmen durfte. Jeder kann nun kurz überlegen, was das sein könnte. Kamera? MP3-Player? Irgendwelche spitzen Gegenstände? Ich wette, ihr kommt nicht drauf, denn die verbotenen Gegenstände waren zwei kleine niedliche ca. 6 cm große Stofftiere: Das Haekelschwein und die Möwe. Ja, ihr habt richtig gelesen. Zwei Stofftiere. Ich durfte sie nun schließlich doch mit rein nehmen, aber ich musste hoch und heilig versprechen, keine Fotos von diesen Tierchen mit dem Taj Mahal zu machen. Vermutlich aus Gründen des Respekts. Die Griechen wollen auch nicht, dass Leute sich in Pose vor ihren Götterstatuen aufstellen. Gerade das Schwein könnte problematisch gewesen sein, denn es handelt sich ja um ein muslimisches Heiligtum.
Rasen fotografieren verboten!
Die Inder haben sowieso irgendwie einen Tick, was fotografieren anbelangt. Man darf fast alles fotografieren, nur nicht das Innere eines Heiligtums (was ich ja noch verstehen kann) und keine Rasenflächen (siehe Foto). Fotografieren scheint für Inder aber auch irgendwie nur als Nebensache zu existieren. Wenn Inder Fotos machen, nehmen sie das Handy. Richtige Kameras haben eigentlich nur Touristen. Wenn Inder was vernünftig aufnehmen wollen, dann filmen sie. Deshalb ist es an vielen Stellen verboten zu filmen, aber nicht zu fotografieren.

Das rote Fort

Eingangstor Rotes Fort, Agra
Agra hat aber noch eine schöne Sehenswürdigkeit: das Rote Fort. Das Rote Fort sieht dem Roten Fort von Delhi von außen recht ähnlich, ist aber deutlich älter. Das Fort in Delhi wurde erst gebaut, als die Hauptstadt Indiens von Agra nach Delhi verlegt wurde. Das Fort in Agra ist innen deutlich interessanter, da es sich anders als in Delhi, um ein Gebäudekomplex handelt. In Delhi steht nur die Mauer und danach ist es eine Parkanlage mit ein paar Häuschen.
Wir schlenderten einen halben Tag durch das Rote Fort und waren dann aber froh am nächsten Tag in Richtung Jaipur aufzubrechen. Jaipur soll sehr schön sein und hat als Hauptstadt der Provinz Rajasthan eine Menge zu bieten.

Spannende Zugfahrt

Wir mussten leider wieder um 4.30 Uhr aufstehen. Das Hostel hatte uns freundlicherweise eine Rik-Shah bestellt, so dass wir bequem zum Bahnhof gekommen sind. Der Zug hatte etwa 30 Minuten Verspätung. Besonders abenteuerlich ist, dass wir diesmal ein Zugticket hatten, was auch die „normalen“ Inder buchen, so dass wir uns nun tatsächlich so fortbewegen, wie es die Inder selber tun. In einfachen Abteilen, alles ein wenig wild durcheinander, keine Klimaanlage (aber Ventilatoren) und offene Fenster. Da die Zugfahrt insgesamt 5 Stunden dauert, hatte ich die Gelegenheit diese Zeilen während der Zugfahrt schreiben zu können. Um mich herum wird jede Menge Hindi gesprochen und zum Teil auch geschlafen, denn viele sind schon gestern Abend in Varanasi eingestiegen. Die neben uns sitzenden Inder packen gerade ihr Frühstück aus. Sehr lustig und wir dürfen mal probieren.
Indisches Frühstück im Zug

Ich beginne die Inder als Menschen zu mögen. Es ist ein freundliches und fröhliches Volk. Es wird viel gelacht und es gibt viele Kinder. Trotz der großen Armut und trotz der zum Teil desolaten hygienischen Verhältnisse ist Indien ein Land der fröhlichen Menschen. Gibt es etwas schöneres?