Donnerstag, 21. Februar 2013

Der Weg nach Feuerland – Teil 3

Viele Touristen wollen nach Ushuaia
Die Fahrt von Rio Gallegos nach Ushuaia dauert offiziell 12,5 Stunden und kann nur tagsüber durchgeführt werden. Das liegt daran, dass man eine Fähre nehmen muss, die nachts nicht fährt. Dazu kommt, dass man ein kleines Stück durch Chile fährt und somit auch die ganzen Ein- und Ausreiseprozeduren über sich ergehen lassen muss. Was für eine abenteuerliche Fahrt vor uns liegen würde, konnten wir aber nicht erahnen.






Phase 1 – Ausreise aus Argentinien



kurzer Stopp im Nichts
Kurz vor 9 Uhr bestiegen wir den gut gefüllten Bus nach Ushuaia. Nach längerer Zeit saßen auch mal wieder eine ganze Menge anderer Touristen im Bus. Pünktlich setzte sich der Bus in Bewegung und fuhr etwa eine halbe Stunde durch die uns bereits bekannte und sich kaum verändernde Steppenlandschaft Patagoniens. Plötzlich und ohne irgendeinen Grund hielt der Bus am Straßenrand an und die beiden Busfahrer fingen an irgendwas im Motorraum zu werkeln. Wir hatten keine Ahnung, was genau da vorgefallen ist, aber nach etwa 20 Minuten ging die Fahrt zunächst problemlos weiter.

Gegen 12 Uhr erreichten wir den ersten von insgesamt zwei Grenzübergängen. Wie schon beschrieben ging die Reise durch ein kleines Stück Chile und somit stand uns die Ausreise aus Argentinien und die Einreise nach Chile bevor. Während die argentinischen Behörden ziemlich problemlos alles abstempeln, was man ihnen vor die Nase hält, ist das bei den Chilenen ein wenig komplizierter. Zwar gibt es auch nicht viel Papierkram, aber in Chile scheint man große Angst davor zu haben irgendwelche Krankheiten ein zu schleppen. In jedem Fall darf man kein frisches Fleisch, kein Obst und auch sonstige diverse Dinge nicht mitnehmen. Um sicher zu gehen setzen die Chilenen dazu Röntgengeräte, wie man sie von Flughäfen zur Taschenkontrolle kennt, und Spürhunde ein. Alle Passagiere mussten den Bus verlassen und ihr Gepäck scannen lassen. Währenddessen wurden die Spürhunde durch den Bus geschickt.

Spürhunde im Bus
Da diese Prozedur sehr zeitaufwändig ist und viele Leute die Grenze passieren wollen, verbrachten wir geschlagene zwei Stunden an der Grenze. Offensichtlich wurde aber kein verdächtiges Gemüse der illegalen Einwanderung beschuldigt und wir konnten unsere Reise fortsetzen.



Phase 2 – Die Fähre



Nachdem wir die Grenze hinter uns gelassen hatten ging es durch die gleiche Einöde weiter. Etwa weitere zwei Stunden sollten vergehen bis wir den nächsten Halt hatten: die Fähre. Hierbei handelt es sich um einen Fährservice auf einem sehr schmalen Streifen der Magellanstraße zwischen dem Festland und der Hauptinsel Feuerlands. Da es nicht sehr viele Fähren (und keine Brücken) in dem Bereich gibt, ist hier auch immer viel los. Alle LKWs, PKWs und Busse müssen auf die andere Seite. Da es zwei Fährschiffe gibt, die auch nur etwa 20 Minuten zur anderen Seite benötigen, geht es recht schnell und unproblematisch. Allerdings mussten die Passagiere auch diesmal wieder komplett aussteigen und den Fußgängerbereich der Fähre betreten.

Wir mussten nur ein paar Minuten auf die Fähre warten und die Überfahrt war problemlos. Als wir die andere Seite erreichten hatten wir somit Feuerland erreicht. Allerdings hatten wir das schlimmste noch vor uns.



Phase 3 – Chilenische Straßen



Fenster mit Frischlufteffekt
Die Straßen in Chile sind insgesamt bekannt dafür schlechter zu sein als die in Argentinien. Zumindest für Feuerland können wir das definitiv bestätigen. Während die Straßen in Argentinien durchgehend asphaltiert sind, handelt es sich bei den chilenischen Straßen Feuerlands um Schotterwege. Dementsprechend müssen die Busse auch langsamer fahren und man hört ständig wie die kleinen Steine gegen den Bus knallen. Die Landschaft hatte sich auch immer noch nicht verändert und somit war es ein etwas dröger Teil der Fahrt. Plötzlich allerdings gab es einen lauten dumpfen Knall, so als würde jemand mit einem Hammer auf eine Glasscheibe schlagen, die aber nicht zerbricht. Wir schauten uns um, aber es war nichts zu sehen. Dann allerdings sah ich, dass die Glasscheibe auf der gegenüberliegenden Seite tausende kleine Risse hat. Es handelt sich bei solchen Scheiben ja um Sicherheitsglas, was nicht einfach zerspringt, sondern besagte Risse ausbildet und dann in Scherben zerfällt, an denen man sich nicht schneiden kann. Zu diesem Zeitpunkt hielt die Scheibe noch. Es sollte aber nur etwa fünf Minuten dauern bis aufgrund des Wackelns die Scheibe langsam anfing zu bröckeln. Der Bus stoppte und mit Hilfe der Gardinen wurde das Fenster notdürftig geschlossen - fixiert mit Klebeband und einem Tacker.

Jedem dürfte klar sein, dass diese Konstruktion nicht lange gehalten hat. Nach 15 Minuten musste der Bus abermals stoppen, um das Fenster wieder irgendwie zu verschließen. Zusätzlich gab es ein neues Problem: Da das Fenster ja nun nicht wirklich geschlossen war, kam jede Menge Staub von der Schotterstraße durch das Fenster, was natürlich für die Passagiere wenig angenehm war. Gelöst werden konnte das derzeit nur durch umsetzen auf einen anderen Sitzplatz.



Phase 4 – Die Grenze nach Argentinien



Reparatur mit vereinten Kräften
Die ungemütliche Fahrt ging weiter und nach weiteren zwei Stunden erreichten wir dann erneut einen Grenzübergang. Wir reisten aus Chile aus und nach Argentinien ein. Direkt hinter dem Grenzübergang stoppte der Bus auf einem Parkplatz und es begann eine etwa zweistündige Reparatur des Fensters. Es wurde ein Holzbrett in der Größe des Fensters organisiert und mit mit Balken und Stangen von innen und außen befestigt. Zum Glück gab es einen kleinen Kiosk, der genügend Kaffee, Schokolade und Empanadas vorrätig hatte, um das Schauspiel gebührend genießen zu können.

Nebenbei sei erwähnt, dass wir durch die kurze Reise von ca. 5 Stunden durch Chile an der Grenze erneut 90 Tage Aufenthalt in Argentinien erhalten haben. So als wären wir gerade erst frisch ins Land gekommen. Natürlich wurden unsere Pässe auch ordentlich mit Stempeln versehen – kurios.



Phase 5 – Die Ankunft



Gut verklebt ist halb gewonnen!
Man kann sagen was man will, aber die Konstruktion der Busfahrer war sehr gut und hielt bis zum Schluss super. Es musste auch niemand frieren oder an einem sehr zugigen Fenster sitzen. Nachteil des ganzen war allerdings, dass der Bus mal eben vier Stunden Verspätung hatte. Da er ohnehin erst um 21.30 Uhr ankommen sollte, standen wir plötzlich um 1.15 Uhr nachts in Ushuaia. Das Problem war, dass wir eingeladen wurden privat zu übernachten. Allerdings hatten wir keinerlei Chance unserem Gastgeber mitzuteilen, dass wir irgendwann in der Nacht ankommen würden. Die Argentinier sind zwar Verspätungen gewohnt und in der Regel auch lange wach, aber um kurz vor zwei Uhr nachts an einer fremden Tür klopfen wollten wir dann lieber nicht. Mit zwei anderen Leuten entschieden wir uns in ein Hostel zu gehen. Da Ushuaia eine Touristenhochburg ist, war leider erst im dritten Hostel Platz für uns.



Am nächsten Tag konnten wir dann sehr schnell sehen, dass alle Mühen sich gelohnt hatten. Aber davon soll beim nächsten mal berichtet werden.