Sonntag, 16. September 2012

Stadt der Engel


Der berühmte Schriftzug
Los Angeles ist eine Weltstadt, das dürfte unbestritten sein. Worüber aber absolut keine Einigkeit besteht ist die Frage, ob Los Angeles eigentlich einen Besuch wert ist. Viele Leute haben mir im Vorfeld gesagt: „Los Angeles? Das ist nicht so spannend. Da läuft man nur einen halben Tag durch Hollywood, das war's dann.“ Wir haben uns gefragt, ob eine Region, in der fast dreizehn Millionen Menschen leben, wirklich nur eine Attraktion zu bieten hat, von der die Meisten auch noch sagen, sie sei eher enttäuschend. Um es kurz zu machen: Los Angeles ist eine durchaus sehr interessante Stadt, allerdings muss man etwas genauer hinschauen, was in der Regel bei einem Kurzaufenthalt nicht möglich ist.

Suburbs machen den Unterschied

Der Hafen von Long Beach
Um zu verstehen, wie Los Angeles funktioniert, muss man in die sogenannten Suburbs gehen. Suburbs sind so etwas wie die Vororte der Stadt. Eigentlich sind sie aber komplett autarke Städte, die allerdings so mit Los Angeles zusammen gewachsen sind, dass man die ganze Region für eine riesige Stadt hält. In diesen Suburbs wohnen die „normalen“ Menschen, denn Los Angeles selber ist ein sehr teures Pflaster. Wir hatten das Glück bei zwei verschiedenen Couch-Gastgebern unter zu kommen. Einmal in Alhambra, dicht am Zentrum von Los Angeles und in Long Beach, ganz im Süden, direkt am Strand. Insgesamt haben wir neun Tage im Raum Los Angeles verbracht.
Mit unseren Couch-Gastgebern hatten wir viel Spaß. Steven in Long Beach hat uns ein wenig das Nachtleben von Los Angeles gezeigt und mit Sal & Gisela konnten wir ausführlich über Weltreisen reden. Die beiden starten Anfang Oktober eine gigantische Reise um die Welt. Sie werden ein bis zwei Jahre reisen. Wir hoffen sie nächstes Jahr in Deutschland wieder zu treffen.

Verschiedene Kulturen und tolles Essen

Blick auf die City Hall in Downtown L.A.
Die meist gesprochene Sprache in Los Angeles ist Spanisch und die größte Zahl an Zuwanderern pro Jahr kommt derzeit aus Asien. Das zeigt schon, welche unterschiedlichen Kulturen in der Stadt vertreten sind. All diese Menschen wohnen in den verschiedenen Suburbs und machen Los Angeles zu einer sehr bunten und kulturell sehr vielfältigen Stadt. Durch die wirtschaftliche Stärke des Großraums – nicht zuletzt durch die Filmindustrie – gibt es viele Menschen, die ein angenehmes Leben dort führen. Dank unserer Couch-Gastgeber hatten wir das Glück einen kleinen Einblick in das Leben in Los Angeles zu bekommen. Vor allem das Essen in China-Town, Little Tokio oder den vielen mexikanischen Restaurants ist fantastisch.
Natürlich gibt es bei so vielen Menschen auch Probleme. In einige Bezirke und Suburbs sollte man besser nicht gehen, da die Kriminalitätsrate sehr hoch ist. Vor allem die Bandenkriminalität soll sehr hoch sein. Aber es gehört zum Leben eines Backpackers dazu, dass man sich über solche Sachen informiert und solche Gebiete entsprechend meidet.

Downtown L.A.

Der Angels Flight ist eine schräge Sache
Will man in die eigentliche Stadt Los Angeles muss man den Schildern nach „Downtown L.A.“ folgen. Diese führen einen geradewegs in das Finanzzentrum der Stadt mit riesigen Wolkenkratzern und sehr vielen Springbrunnen. Die Einwohner Los Angeles' scheinen Springbrunnen zu lieben. Es gibt sie in allen möglichen Größen und Formen.
Eine kleine Kuriosität findet man eher zufällig zwischen den riesigen Hochhäusern der Stadt: den Angels Flight. Dabei handelt es sich um eine sehr kurze historische Seilbahn, die ähnlich wie die berühmten Cable Cars in San Francisco funktioniert. Der Angels Flight ist die kürzeste Bahnstrecke der Welt.
Auf keinen Fall verpassen sollte man auch die sogenannte „Historic Downtown“ von L.A. Diese schließt sich dicht an das Finanzzentrum an und wirkt ein wenig alt und schmuddelig. Dennoch kann man viele historische Gebäude erkennen, die in der Gründerzeit der Stadt errichtet wurden. Das erste Gebäude der Stadt war – wie bei vielen Städten in diesem Teil der USA – eine Kirche. Diese Kirche namens „Nuestra Señora la Reina de los Ángeles“ steht auch heute noch – gut restauriert – im Stadtkern und kann besichtigt werden. Sie befindet sich direkt gegenüber des Hauptbahnhofes, der sogenannten Union Station.

Hollywood

Die Warner Brother Studios  mit dem Wasserturm
Auch wir konnten uns natürlich nicht dem Charme der Traumfabrik entziehen und sind ein wenig in Hollywood herum gelaufen. Es war ganz witzig die ganzen Sterne auf dem Walk of Fame und viele alte Fotos von Hollywood vergangener Tage zu sehen. Aber wie so ziemlich jeder andere Tourist waren wir nicht extrem beeindruckt, aber wir haben auch nicht viel erwartet. Eine geringe Erwartung zu haben hilft eben dagegen enttäuscht zu werden.
Wir haben auch darauf verzichtet irgendein kostenpflichtiges Touristenprogramm zu machen, denn in den meisten Fällen handelt es sich um irgendwelche Bustouren zu Häusern berühmter Persönlichkeiten. Da uns aber völlig egal ist, wo Bruce Willis, Cameron Diaz und Co wohnen, hatten wir keinerlei Mühe Geld zu sparen.

Los Angeles war unsere letzte Station in den USA vor unserem Abflug nach Mexiko. Wir werden im Oktober noch an die Ostküste der USA fliegen, um New York und Washington einen Besuch abzustatten. Wir können nur jedem empfehlen sich Los Angeles (und auch den Großraum) in Ruhe anzuschauen. Los Angeles hat deutlich mehr zu bieten als Hollywoodstars und Sterne auf Gehwegen. Man sollte allerdings etwas Zeit mitbringen. Es lohnt sich!