Dienstag, 18. Dezember 2012

Cusco und Machu Picchu

Machu Picchu
Es gibt Sehenswürdigkeiten und es gibt die Sehenswürdigkeiten. Jene seltenen Orte auf diesem Planeten, die nicht nur einfach toll, sondern absolut einzigartig, ja geradezu legendär sind. Nur wenige Orte können von sich behaupten zu den Sehenswürdigkeiten zu gehören – die alte InkastadtMachu Picchu gehört definitiv dazu. Viele Legenden ranken sich um die Stadt in den Anden, bei der selbst der Aufstieg auf den Berg Machu Picchu ein Abenteuer für sich ist.



Cusco

Plaza del Armas in Cusco
Ausgangspunkt für die Besichtigung der Inkastadt ist die Stadt Cusco. Sie wurde bereits von den Inkas gegründet und diente gar als Hauptstadt des riesigen Reiches. Nach der Eroberung durch die Spanier wurde sie in eine typische Kolonialstadt umgewandelt. Im Zentrum gibt es den Plaza del Armas – den zentralen Platz der Stadt - mit gleich zwei riesigen Kirchen.
Die Stadt ist sehr hübsch, sauber und augenscheinlich absolut touristisch. Überall gibt es Reiseagenturen und Geschäfte. Hotels, Hostels und Restaurants sind ebenfalls zu Hauf vorhanden. Außerdem ist die Stadt extrem teuer. Sie bewegt sich preislich locker auf westlichem Niveau, zumindest um denn Plaza del Armas herum.

Wege zu Machu Picchu

Um nach Machu Picchu zu kommen gibt es diverse Möglichkeiten. Besonders legendär ist der sogenannte Inka Trail. Ein Weg, der bereits von den alten Inkas benutzt wurde und der vier Tage dauert. Dabei wird die gesamte zu tragende Ausrüstung von Trägern oder einem Lasttier getragen. Man selbst muss nur laufen. Dieser sehr beliebte Inka Trail ist leider auch sehr teuer. Er kostet etwa 500 $ pro Person. Es gibt ihn auch preiswerter, allerdings wird dann meistens am Komfort der Träger gespart. Da diese ohnehin eher am „unteren Ende der Nahrungskette“ stehen, sollte man im Sinne der einheimischen Bevölkerung also lieber ein paar Dollar mehr bezahlen. Alleine darf man den Inka Trail nicht gehen.
Als zweite Möglichkeit gibt es den Zug. Dieser fährt von einer Station etwas außerhalb von Cusco bis in den kleinen Ort Aguas Calientes, der am Fuße von Machu Picchu liegt. Der Zug kostet pro Richtung mindestens 50 $ pro Person und dauert etwa vier Stunden. 50 $ sind allerdings nur der günstigste Preis zu sehr merkwürdigen Zeiten. Im Schnitt wird man mit einer Zug Hin- und Rückfahrt wohl pro Person etwa 150 $ hinlegen müssen.
Da der Zug auch relativ teuer ist, entscheiden sich viele für eine Autofahrt oder eine Kombination aus Auto- oder Zugfahrt. Letzteres taten wir.

Unser Weg nach Machu Picchu

Eine Autobrücke!
Gegen 7 Uhr wurden wir abgeholt und in einen Kleinbus mit anderen Touristen verfrachtet. Eine knapp siebenstündige Fahrt sollte vor uns liegen, die halsbrecherischer wohl nicht hätte sein können. Über eine schmale Gebirgsstraße, die teilweise wegen Bauarbeiten und Überschwemmungen zusätzlich verschmälert wurde und neben der sich ein zum Teil bis zu 2000m tiefes Tal erstreckte, ging die Fahrt. Man kann es sich eigentlich kaum vorstellen, denn in Deutschland würde wirklich niemand auch nur auf die Idee kommen Touristen auf so einer Straße zu transportieren. Aber das ist eben Peru.
Der absolute „Höhepunkt“ der Fahrt war eine kleine Brücke. Sie war etwa fünf Meter lang, vermutlich nicht viel breiter als zwei Meter und stellte den einzigen Weg über eine kleine, schmale aber verdammt tiefe Schlucht dar. Leitplanken oder Geländer gab es natürlich nicht. So ziemlich jeder Ausländer im Wagen hielt die Luft an, als dieser über diese Brücke fuhr. Ein kleiner Schlenker des Fahrers und der Wagen wäre Schätzungsweise 1000 m in die Tiefe gestürzt.
Fast wie durch ein Wunder sind wir aber heil angekommen, in einem kleinen Außenbezirk von Aguas Calientes namens Central Hidrolectrica Machu Picchu, dem einzigen Teil des Ortes, der per Auto erreichbar ist. Hier gab es nun zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt den Zug eine Station nach Aguas Calientes für knapp 20 Dollar pro Person oder man läuft etwa 10km den Schienen entlang. Wir entschieden uns für den Fußmarsch, da wir eh nur Minimalgepäck dabei hatten. Unser großes Gepäck war sicher in einem Hostel in Cusco aufbewahrt. Nach etwa 2,5 Stunden erreichten wir Aguas Calientes und unser Hostel. 

Der Aufstieg

Treppe zur Inkastadt
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 3.45 Uhr! Ja, ihr lest richtig, mitten in der Nacht. Um 4.30 Uhr trafen wir uns mit den anderen, um den Aufstieg nach Machu Picchu zu bewerkstelligen. Den letzten Aufstieg kann man ebenfalls auf zwei verschiedene Arten bewerkstelligen: zu Fuß oder mit dem Bus. Der Bus braucht 15 Minuten und kostet neun Dollar pro Person. Der Aufstieg zu Fuß ist kostenlos und dauert etwa 40 Minuten. Zumindest behaupten das die Einheimischen. Wir entschieden uns für den Aufstieg zu Fuß – ein Fehler.
Was nämlich nicht gesagt wurde ist, dass der Weg eine extrem steile Treppe ist, die etwa zwei Kilometer nur nach oben führt. Wer von euch ist schon einmal 40 Minuten am Stück Treppe gestiegen? Ein zusätzliches Problem war, dass wir gegen 6.30 Uhr oben sein mussten, da unsere geführte Tour dann starten sollte. Um fünf Uhr öffneten die Tore zum Aufstieg nach Machu Picchu und wir keuchten und schleppten uns die schier endlose Treppe hinauf. Anfangs noch voller Elan, wurde die Moral langsam immer schlechter. Man wusste auch nicht, wo man war. Es gab keine Anzeige nach dem Motto „noch 200 Stufen“ oder ob man bereits auf der Hälfte des Weges war. Man lief und lief und lief diese Treppe hinauf. Dann endlich nach etwa einer Stunde waren wir oben, keuchend aber glücklich es geschafft zu haben.

Der Gipfel der Schönheit

Aufsteigender Nebel
Betritt man dann die alte Inkastadt, so weiß man, dass keine Mühen umsonst gewesen sind. Der Anblick dieser uralten Stadt mitten in den Anden ist einfach atemberaubend. Vor allem der Blick in die Täler und auf die anderen, komplett begrünten Berge ist einzigartig. Wenn dann die Sonne ihre wärmenden Strahlen auf die umliegenden Regenwälder wirft, steigt Nebel auf, der sich an den Berghängen fängt. Ein Anblick, den man gesehen haben sollte.
Gegen 12 Uhr fing es dann an zu regnen und wir haben uns entschlossen den Bus zu nehmen, um nach Aguas Calientes zurück zu kehren.

Aguas Calientes heißt übrigens so, weil es dort heiße Quellen gibt, die man auch besuchen kann. Unsere stark gequälten Beinmuskeln freuten sich über das heiße Bad in den Quellen. Am Abend ging es dann mit dem Zug zurück nach Cusco.

Gerüchte über Machu Picchu

Es gibt viele Gerüchte über Machu Picchu. Eines sagt, dass Machu Picchu geschlossen werden soll. Ich habe keinerlei Ahnung, wo dieses Gerücht herkommt, aber ich halte es für Quatsch. Mal abgesehen davon, dass es nirgendwo auch nur irgendein Anzeichen davon gibt, dass es geschlossen werden soll, würde es auch eine ganze Industrie vernichten. Sehr unwahrscheinlich, dass das geschehen wird.
Es ist allerdings bekannt, dass Machu Picchu von Zeit zu Zeit für ein paar Wochen geschlossen wird (meist im Februar), weil dort starke Regenfälle sind und es einfach gefährlich ist, dort hinauf zu steigen. Aber komplett geschlossen wird Machu Picchu auf absehbare Zeit sicherlich nicht.
Was allerdings getan wird ist, die Zahl der Besucher zu begrenzen. 2000 Personen pro Tag dürfen Machu Picchu besuchen. 500 Leute pro Tag dürfen den Inka Trail laufen.

Der Huayna Picchu

Der Huayna Picchu
Soweit ich weiß, dürfen nur etwa 400 Leute pro Tag auf den Huayna Picchu. Wir waren nicht drauf, denn das hätte noch mehr Treppen bedeutet. Wer den Huayna Picchu nicht kennt: es handelt sich dabei um den hübschen, zuckerhutförmigen Berg, der auf fast jedem Foto im Hintergrund zu sehen ist. Nur wer die komplette Inkastadt sehen möchte, sollte auf den Huayna Picchu. Ich glaube aber kaum, dass sich das lohnt, denn vom höchsten Punkt innerhalb der Stadt kann man schätzungsweise 95% sehen. Vermutlich kostet der Aufstieg auf den Huayna Picchu deshalb nur 10 Dollar mehr (zusätzlich zum Eintritt von 40 Dollar für Machu Picchu).

Alles in allem war es ein teures Vergnügen, aber es hat sich gelohnt. Ich empfehle grundsätzlich den Bus hoch zu nehmen (man kann ja runter laufen, wenn man will) und so früh wie möglich da zu sein. Oftmals regnet es nachmittags und ab etwa 10 Uhr wird es voll. Ein echter Genuss waren vor allem die frühen Morgenstunden, als es noch ruhig war. So oder so, Machu Picchu ist eine absolute Weltsensation, die einen Besuch lohnt.